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Jeschurun · 1925-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1925) · p. Seite 220

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 220 (sequence 50)
Language
German
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220 Die jüdische Geschichte usw. sozialen Lage stiess auf schärfsten Widerstand der an berechtigtes Misstrauen gewöhnten toratreuen Führer und Massen. Andererseits konnten sich hierdurch auch solche Männer leicht verfolgt und abgestossen fühlen, deren Streben nach harmonischer Verbindung von Torageist und Allgemeinbildung ging. Gar mancher von diesen, die gerade in Polen und Russland segensreich hätten wirken können, zogen es vor, dem geistigen Kampfe nach zwei Seiten ausweichend, die Heimat zu verlassen. — Neben der Literatur in russischer Sprache, deren Haupttendenz Assimilation an die nichtjüdische russische Intelligenz war, gewannen allmählich die jiddischen und hebräischen Schriftsteller immer mehr Bedeutung. Wie weh sie dem jüdischen Volke durch ihre Angriffe auf das überlieferte Judentum zumeist taten, so ist andererseits nicht zu übersehen, dass sie literarische Werke von dauerndem Werte schufen, die auch auf Seiten der angegriffenen Orthodoxie schlummernde Kräfte auslösten. Anfangs erweckten sie ein gewisses Misstrauen gegen die neuhebräische Literatur; doch ist den hebräischen Schriftstellern des zu Ende gehenden neunzehnten Jahrhunderts die Wiedergeburt der heiligen Sprache zu verdanken. Der seit dem Tode Alexanders II. immer brutaler auf Vernichtung der Juden gerichtete Wille der russischen Machthaber lehrte auch die bisher russenfreundliche jüdische Intelligenz, dass die Assimilation keine Hoffnung auf Rettung bot. Eine furchtbare Tragik liegt in der Enttäuschung dieser Männer, die ihr ganzes bisheriges Lebenswerk zertrümmert sahen. Den geistigen Rückweg zur Seele ihres Volkes fanden die wenigsten. Ihre volle Energie wandten sie der nationalen Selbstbehauptung zu. Zündend wirkte der Aufruf Pinskers zur Autoemanzipatioa in einem politisch gesicherten jüdischen Territorium. Wählend die Macht der Realität immer grössere Massen von Auswanderern nach Amerika zog, bot das Streben, sich in dem alten Heimatslande Palästina ein Asyl zu schaffen, ein Ideal, an dem sich die zerrissenen und niedergedrückten Geister emporrichten. Auch in weiten Kreisen der Orthodoxie wandte man sich unter Führung von R. Samuel Mobilewer der Palästinahoffnnng zu.

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