Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 219 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Geschichte usw, 219 morden ausarteten, bei denen die aufgehetzte Volksmenge von Beamten und Militär unterstützt wurde. Eine nach Hunderttausenden zählende jüdische Völkerwanderung setzte ein, nach Westeuropa und besonders nach Amerika. Wenn auch infolge des starken Geburtenüberschusses die Zahl der unter russischem Joche schmachtenden Juden nicht verringert wurde, so brachten doch die Unterstützungen, welche die Auswanderer ihren Familien zukommen Hessen, den Zurückbleibenden eine gewisse Erleichterung. Zahllosen waren diese Gelder die Grundlage ihrer Wirtschaftliehen Fixistenz. Später während des Weltkrieges und in der furchtbaren Nachkriegszeit wTar der Fortbestand der Judenbeit zum grossen Teile der Opferwilligkeit der einst aus Russland Verjagten zu verdanken. Andererseits waren auch die zaristischen Verfolgungen ein mächtiger Antrieb für die moderne Palästinabewegung. Gegen seinen Willen hatte wieder einmal der Geist Esau’s Jakob segnen müssen. Trotz des furchtbaren Druckes von aussen herrschte im russischen Judentum des neunzehnten Jahrhunderts reges Geistesleben. Jahrzehnte hindurch war die Talmudhocbschule in Wolosyn das Zentrum des Torawissens, dem hier im Sinne des verewigten Wiinaer Gaon von seinem treuen Schüler R. Chajim eine Pflanz- Stätte geschahen war. Trotz der zuerst mit der russischen Regierung im Bunde arbeitenden Aufklärer, der ״Maskilim% blieben die vom Staate nicht anerkannten Rabbinen dank der Autorität ihres Wissens und Charakters die geistigen Führer des Volkes. — Aehnlich wie ihre deutschen Vorgänger glaubten immer wieder viele der russischen Aufklärer, ihren Brüdern die europäische Bildung, so wie sie sie verstanden, mit Hilfe der Regierung aufzwingen zu dürfen. Die von dem Hasse ihrer äusseren Feinde so gepeinigte russische Judenheit litt schwer an dem inneren Kulturkampf. Die Uebergriffe der zuerst deutsch, dann russisch orientierten Kämpfer gegen die jüdische Tradition rief wiederum ein um so stärkeres Streben nach Fernhalten aller europäischen Bildung hervor, ln den meisten Fällen entsprach es den Tatsachen, wenn man מgebildet״ mit ״religionsfeindlich“ identifizierte. Seihst gut gemeintes Arbeiten zur Hebung der