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Jeschurun · 1925-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1925) · p. Seite 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 216 (sequence 46)
Language
German
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216 Die jüdische Geschichte usw. anstrebten. — Sein einstiger Studienfreund und geistiger Antipode Abraham Geiger suchte durch mehr scharfe als gründliche Angriffe gegen die Authentizität der schriftlichen und mündlichen Lehre die Grundlagen der jüdischen Ueberlieferung zu erschüttern und so der radikalsten Reform den Weg zu bahnen. Zwischen der Reform und dem unbedingten Festhalten an der Ueberlieferung wollte Zacharias Frankel eine vermittelnde Stellung einnehmen. Diese ״Breslauer Richtung*, als deren Hauptvertreter neben Frankel sein Mitarbeiter am Breslauer Rabbinerseminar, der bekannte Historiker Heinrich Grätz, gilt, entsprach in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts den An- Behauungen wohl der Mehrheit der in den grossen jüd. Gemeinden einflussreichen Männer. Man trennte sich nicht gern von dem Ueberkommenen, ohne diesem allerdings auch da zu folgen, wo hierdurch die wirtschaftliche Existenz gefährdet war. Mit Bedauern, aber ohne standhaften Kampf gaben immer weitere Kreise die Heilighaltung des Sabbats auf, so dass im Laufe der Zeit die Sabbatfeiernden in Deutschland zur Minderheit wurden. Im Wesen der ״Breslauer Richtung* lag mehr die Tendenz zu nachsichtiger Entschuldigung und dem Siehabfinäen als das zielbewusste Eintreten für Gotteslehre und -gesetz. Es wäre ein Unglück für die Entwickelung der deutschen Judenheit gewesen, wenn sie bei der Auswahl ihrer geistigen Führer auf die Zöglinge des Breslauer Seminars angewiesen gewesen wäre. So war es eine rettende Tat, als Israel Hildesheimer das orthodoxe Berliner Rabbinerseminar gründete, dessen Schüler grösstenteils als Bannerträger der toratreuen Judenheit wirkten. Das allmähliche Wiedererstarken der zahienmässig schwächeren Orthodoxie ist in weitem Masse der mittelbaren und unmittelbaren Tätigkeit dieser Männer zu verdanken. Die politische Lage der Juden Deutschlands war in der ersten Hälfte des Jahrhunderts je nach Gegenden ganz verschieden. Die bürgerliche Gleichberechtigung, die zu Beginn des Jahrhunderts als nah bevorstehend erschien, musste noch in schwerem Kampfe errungen werden. Besonders machte sich hierbei Gabriel Riesser verdient. Im Laufe der Zeit wurde die

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