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Jeschurun · 1925-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1925) · p. Seite 217

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 217 (sequence 47)
Language
German
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Die jüdische Geschichte usw. 217 Rechtsgleichheit der Juden gesetzlich überall ausgesprochen, ohne dass sie allerdings überall tatsächlich durchgeführt wurde. Ein gesellschaftlicher und auch politischer Rückschlag trat in den beiden letzten Dezennien des Jahrhunderts durch die antisemitische Bewegung ein. So sehr diese gerade vom allgemeinmenschliehen Standpunkte zu bedauern ist, so wertvoll, ja geradezu notwendig war sie für die Erhaltung der deutschen Judenheit, deren immer mehr um sich greifende Assimilation zur Selbstauflösung zu werden drohte. Besonders betroffen hiervon waren naturgemäss die religiös indifferenten Kreise, während' die Orthodoxie durch das stärker pulsierende religiöse Leben geschützter war. Allerdings verblasste auch hier vielfach das Gefühl der Gottesvolksschaft zu einem nur religiösen Bekenntnis. Die Angriffe von aussen rüttelten die deutsche Judenheit auf, sich wieder als jüdisches Volk zu empfinden. Je naeh der religiösen Ein- Stellung erhielt dieses Empfinden ein mehr nationales Gepräge oder liess den Gedanken der Religionsnation erstarken. Auf der anderen Seite suchte man gerade durch mehr oder minder scharfe Betonung des nur Religiösen unter Abschütteln alles Nationalen oder national Scheinenden die antisemitische Bewegung zu entkräften. Aber selbst in diesen Kreisen zeigte sich mit wenigen Ausnahmen ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Gesamtjudenheit, das sich durch gross angelegte Hilfsorganisationen betätigte, und durch diese Betätigung wurde willkürlich wieder das jüdische Ällgemeingefühl gestärkt. Die geistige Führung des west- und mitteleuropäischen Judentums im neunzehnten Jahrhundert lag grösstenteils in den Ländern deutscher Kultur. Die ' hervorragendsten Gelehrten tendierten durch eigene Ausbildung und wissenschaftlichen Gedankenaustausch nach Deutschland. Im allgemeinen war in den ausserdeutschen Ländern, deren Juden noch zerstreuter als iu Deutschland lebten, die Assimilation viel stärker. Eine Ausnahme bildete Ungarn, das seiner ganzen Struktur nach eine Mischung von west- und ostjüdischem Wesen heute noch aufweist. Das engere Zusammenwohnen der dortigen Juden gab ihnen einen natürlichen Halt. Die scharfe Trennung zwischen

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