Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 215 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Oie jüdische Geschichte usw. 215 mehr und mehr zeigten sich auch die systematischen Methoden der modernen Wissenschaft. Nicht immer entsprach der Er- Weiterung der Disziplin und den kritischen Versuchen die Gründlichkeit und das umfassende talmudisehe Wissen, so dass vielen Vertretern der neuen wissenschaftlichen Richtung mit Recht der Vorwurf der Oberflächlichkeit gemacht werden konnte, und oft fehlte der Forschung das liebevolle Verständnis für den innigen Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart, als bandele es sich mehr um interessante archäologische Studien denn um wichtigste Lebensfragen des jüdischen Volkes; aber es waren eben die ersten Schritte auf einem neuen Wege. Psychologisch verständlich, wenn auch wegen ihrer Verhängnisvollen Folgen bedauerlich, ist es, dass die toratreuen Gelehrten nur zögernd die Errungenschaften der allgemeinen Wissenschaften auf sich wirken liessen. So konnte lange Zeit der Begriff der jüdischen Wissenschaft weiten Kreisen mit Verleugnung der Ueberlieferung eng, ja untrennbar, verbunden erscheinen, umso eher, als die meisten Vertreter der rWissenschaft des Judentums״ ihre Arbeiten in den Dienst der Reform stellten. Selbst Leopold Zunz. dessen grundlegende Arbeiten ihm einen der ersten Ehrenplätze in der jüdischen Wissenschaft sichern, ist hiervon nicht frei. WTahrend im ersten Drittel des Jahrhunderts die der Ueberlieferung treu Gebliebenen sich zumeist mit der Abwehr begnügten, begann im zweiten Drittel die positive Stellungsnähme zur Kulturfrage. Vor allem war es Samson Raph. Hirsch, der mit genialem Verständnis die Lösung anstrebte. Nicht als an sich bedauernswerte, aber unabänderliche Tatsache betrachtete er das Hinein!eben der west- und mitteleuropäischen Juden in die Weltkultur, sondern freudig bejahte er die dem Judentum neu gestellte Aufgabe. Alles Grosse, was das Geistesleben aller Völker bietet, muss dazu dienen, jüdisches Lernen und Leben zu verschönen und zu erheben. Mit glühender Liebe suchte er in das Wesen des jüdischen Gesetzes einzudringen, dem er mit unerschütterlicher Treue anhing. So ward Hirsch Wegweiser für alle, die unter unbedingter Arierkennung der Toraherrschaffc die Aneignung europäischer Kultur