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Jeschurun · 1925-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1925) · p. Seite 208

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 208 (sequence 38)
Language
German
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208 Eine alte liturgische Schwierigkeit beschäftigt. ״Die Weisheit hat ihr Haus gebaut״, darunter ist die heil. Lehre gemeint, vgl. Prov. 9, lf. Sie bat sich ihre sieben Säulen ausgehauen, nämlich die sieben Bücher der Thora87). Sie hat ihr Schlachtvieh geschlachtet, d. h. die Strafen vorausgesetzt. Ihren, Wein gemischt, gemeint sind die Gesetze, welche in den קלין וחמורץ וגז״ש enthalten sind. Auch ihren Tisch bereitet, d. h. die Gesetze über die Schätzungen. Sie hat ihre Mägde ausgesandt; ihr Ruf ergeht, nämlich an Israel. Oben auf den Anhöhen der Stadt, Gott hat Israel, durch die Thora zur höchsten Höhe erhoben, und sie der Gottheit ähnlich erklärt. Nach all dieser Herrlichkeit: ״ W er einfältig ist, kehre hier ein“! Sie bekundeten ihre Einfalt, indem sie Gott verlassen haben und sich dem Kalbe zuwandten. Wem es an Verstand fehlt, zu dem spricht sie: ״Ihr werdet wie Menschen sterben88)“. Am Ende der tannaitischen Periode dürfte auch die Geschichte des Kalbes in die Liste derjenigen Bibelabschnitte aufgenommen worden sein, deren Uebersetzung ins Aramäische beanstandet wurde39). Unsere Beobachtung scheint es zu bestetigen, dass man dieser Polemik im Zeitalter der Tarmaiten wenig oder gar keine Aufmerksamkeit zugewanät hatte. Anders lagen die Verhältnisse im dritten Jahrhundert. Keiner von den grossen Lehrern und Predigern dieser Periode geht daran vor־ über, ohne die Sünde des Kalbes zu verteidigen oder zu beschönigen. Im Grossen und Ganzen lassen sich etwa vier Richtungen unter diesen Anschauungen der Hagadisten feststellen. Die erste Richtung möchte die ganze Sünde verwischen. Die zweite sieht die Urheber der Schuld und die Sünder in dem Misch־ 37) Bar Kappara zählte 7 Bücher der Thora: Genesis, Exodus. Leviticus, Numeri I (von cap. 1 bis 10,84), Num. II (v. 85—86) III (von cap. 11 bis zum Schluss) und De-uter. vgl. auch Gen r. 64,8, b. Sabb. 115 a. s8) Lev. r. 11, 3. s9} M. Megilla 25 a. c. 3.

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