Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 190 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Die Mesa-Inschrift usw. 2. Einen zweiten Verdachtsgrund kleidet Storr in folgende Worte : ״Ein daliegendes Stück Stein darf Klein nicht an sich nehmen, während doch später sogar beschriebene Fragmente ohne weiteres verschenkt werden“. Ueberhaupt hätten die Araber bis Ende 1869 eine gewisse Zurückhaltung bewahrt, bis der Engländer Warren gekommen sei. ״Sieht das nicht alles so aus, als ob der Stein an den Meistbietenden verkauft werden sollte?“ (S. 206). Nun selbstverständlich sieht das nicht nur so aus, sondern war ganz natürlich so. Aber das war selbstverständlich * so, mochte die Inschrift echt, oder mochte sie gefälscht sein. Also bis jetzt hat Storr nichts vorgebracht, was die Fälschung erweisen könnte. 3 Nun hatte ich gegen die Annahme einer Fälschung die Tatsache geltend gemacht, dass der Stein dann von Arabern zertrümmert worden ist. Dagegen wendet sich Storr mit heftigen Worten, indem er mit Sperrdruck behauptet: Der Grund für die Zerstörung des Steins war nicht das Eingreifen der türkischen Regierung, die den Stein für das Museum in Konstantinopel mit Beschlag belegen wollte, und auch nicht der Aberglaube[?]6) war der Grund, sondern ״einfach die Geldgier; sie hofften für Bruchstücke mehr zu erhalten als für das Ganze“ (S. 206). Aber ist diese Meinung Storrs nicht die unnatürlichste von allen möglichen? Das heisst doch, jenen Arabern das Unwahrscheinlichste Zutrauen. Denn das musste auch ein beschränkter Mensch sich denken können, dass für einen solchen Stein mit Inschrift, wenn er ganz blieb, ein ungleich höherer Preis zu erzielen war, als für Bruchstücke von ihm. Eine solche Verminderung des Wertes der Inschrift wäre aber, wenn diese erst von Zeitgenossen zur Erlangung eines hohen Preises hergestellt worden wäre, viel unwahrscheinlicher, als wenn der Stein mit der Inschrift tatsächlich eine alte Reliquie war. Für die letztere Annahme spricht aber 6) Storr bemerkt nichts darüber. Indes ״der Aberglaube, dass die Inschriften in fremden Charakteren Talismane seien und Schätze hüteten, ist durch den ganzen Orient verbreitet• (Kautzsch und Socin, Die Echtheit der moabitischen Altertümer, S. 8).