Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 171 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherb esprechungen 171 zu sehr veraltet. Wir vermissen auch vielfach in P/8 Ausgabe die Benutzung des Abarbanel, der auch unter unseren Alten der einzige ist, der die Prophetenreden nach grösseren Zusammenhängen disponiert. An Einzelheiten möchten wir anmerken: Warum ist 4, 7 הצולעה wiedergegeben: ״die Hinkende“ und nicht mit Alten und Neueren ״die Abseitsgeratene״, was dem Parallelismus auch besser entspricht. Warum 4, 13 והחרמתי als 1. Person und nicht (archaistische Nebenform) als 2. Person. Das passt viel besser in den Zusammenhang und Kautzsch, Textkritische Anmerkung z St. ist mit seiner Behauptung, der M. T. habe es als 1. Person genommen, völlig abwegig. 5, 3 80״ והציל wird man sich retten״, ist in diesem Sinn nicht zu belegen und auch völlig unnötig. Warum 1,2; 3,1 und 6,1 nicht Anfänge grösserer Reden sein sollen, ist nicht einzusehen. Hinter dem Streben, eine möglichst wörtliche Uebersetzung zu geben, hat der Schwung der Sprache gelitten und sind unangemessene Ausdrücke gewählt. Vgl. 1, 7 : all ihre Hurengeschenke, 2,13 : Hinaufzieht der Durchbrecher, 3,4: eie haben böse gemacht ihre Handlungen. 6,7: der Vokativ ״o Mensch!6,12 ״: es erfüllen sich die Satzungen Omri’s, die undeutsche Voranstellung des Verbums im allgemeinen usw. Diese Ausstellungen sollen das Verdienst des Herausgebers nicht schmälern. Man kann natürlich über Art der Anlage, über die Wahl einer Erklärung unter den vorhandenen, über das Mass dessen, was man an lexikographischen und religionsgeschichtlichen Bemerkungen bieten soll, je nach dem Leserkreis, den man im Auge hat, verschiedener Meinung sein. Wir glauben der Kreis der besseren Religionslehrer, der nicht gerade eine spezifisch rabbinische oder orientalistische Ausbildung genossen hat, sollte vor allem berücksichtigt werden. Möge der Herausgeber selbst die Fortsetzungen in Bälde geben und mögen andere seinem Beispiel folgen. Johannes Hänel. Alttestamentliche Sittlichkeit, dargestellt gegen ihre antisemitischen Verächter; Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh 1924 (ein Vortrag, 61 Seiten). Der Vf. stellt sich im Anfang seiner Broschüre als Antisemit vor Um so wertvoller ist seine Polemik gegen die antisemitischen Angriffe auf die alttestamentliche Sittlichkeit. Es sind wohl kaum schärfere Worte irgendwo gegen Dehtzsch ״die grosse Täuschung“ gefallen, als wir sie hier finden, wenn Vf. von unqualifizierbarer Missachtung jeder exakten Methode zu Gunsten leidenschaftlicher Abneigungen spricht. Nun werden wir sicher nicht die Konzessionen anerkennen, die Vf. den antisemitischen Beurteilern durch Preisgabe mancher Züge in der Geschichte der Stammesväter und der Königszeit macht. Immerhin kann man mit der Grundthese einverstanden sein, dass der Erzähler sich durchaus nicht mit jeder Handlung der auftret enden Persönlichkeiten identifiziert, dass die Gestalten der Bibel als Menschen von Fleisch und Blut geschildert werden mit ihren Fehlern und Schwächen. Man kann es sich auch gefallen la3sen, nach dem Vf. Jakobs Schicksal als die Folge einer tragischen Schuld anzusehen und könnte das auch mit Midraschim belegen. Ueberhaupt findet der Vf. in der Darstellung der Jakobs- und Davidsgestalt, die für die antisemitischen Beurteiler und nicht nur für diese, sondern für Vertreter ernster wissenschaftlicher Forschung Betrüger und Banditenhäuptlinge sein sollen, Worte von