Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 172 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Bücherbespreeliungen hinreissendem Schwünge (S. 10—18). Nicht minder in der Kenn- Zeichnung de3 Dekaiogs a*s Grundlage der Sittlichkeit für alle zivilisierten Völker (S. 21—26), in der Hervorhebung des ungeheuren Gewichts, das das alttest. Judentum in seinen Geschichtserzählungen und Gesetzen auf die Keuschheit legt (S. 28) auf die Ehrlichkeit in Handel und Wandel (S. 29), auf die Unbestechlichkeit der Richter (ebd.) auf das Verhalten gegenüber den Armen (80—31), auf den tiefen Sinn der Freundschaft und Freundestreue (S. 32), auf Vaterlandsliebe und Heldengeist (33—34), den Geist der Wahrhaftigkeit, die Nächstenliebe, die Gesinnungsethik, die Reinheit des Herzens (S. £5 ft.), die Durchbrechung der Schranken des Partikularismus inbezug auf die Einheitstendenz der Gottesvorstellung, die Auffassung der Menschheit als eine' Einheit, die Stellung zu den Fremdlingen, selbst in der Idee der Erwählung Israels und des Missionsgedankens (S. 40—48). Sogar für die Feiudesliebe bringt Vf. eine Reihe von Belegstellen aus dem A. T. (S. 48—50). Vf. schildert die hohe Stellung, die das Weib hier einnimmt und dass, wenn auch die Polygamie gestattet, die Monogamie zumeist Voraussetzung ist (S. 50—52) ״Selbst in der Behandlung der Sklavenfrage wird man die höheren sittlichen Motive anerkennen müssen“ (54). Auch den Vorwurf, dass im A. T. die minderwertigen Motive des sittlichen Handelns im Lohn- und Strafgedanken einen so breiten Raum einnehmen, führt Vf. auf das rechte Mass zurück. Woran liegt es nun, dass Vf. so viel Gutes vom A. T. zu reden ־weiss urd von dem Juden der Neuzeit als Wucher-, Handels- und Kuppeljuden spricht? Im A. T. kennt er sich eben aus, hier spricht er als Fachmann und den Juden der Neuzeit kennt er aus seinem deutschnationalen oder völkischen Leibblatt. Aber dieser Bileam, der gegen seinen Willen unsere Vorzeit, unsere heiligen Bücher segnen muss, ist nur das Prototyp all derer, die von Vorurteilen durch Wissen zur Anerkennung kommen. Und würde er wirklich sich nicht mit der Lektüre seines Leibblattes begnügen oder mit dem Material, das in den Luxusbädern, in manchen Gesellschaftskreisen gerade die minderwertigen Elemente unseres Volkes ihm bieten, würde er, hinuntertauchen, dorthin wo echtjüdisches Volksleben pulsiert, er würde erkennen, dass die ״alttestam entliehe Sittlichkeit“ durchaus nicht etwas Veraltetes ist, das nur in Büchern sein Dasein fristet, er wrürde 3eh6D, dass sie gelebt wird, mehr als in den Kreisen, die ihm nahe stehen. Wir aber können diesem ״Antisemiten" nur dankbar sein, dass er ein ״Hohelied“ auf das gesungen hat, was wir immer als Muster und Vorbild hinstellen, dass er sogar über das hinaus, was wir so oft auszusprechen gezwungen sind, uns neue Gedanken darbietet im Kampfe gegen die Verächter der jüdischen Religion. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlg-emuth, Berlin Druck von H. Itzkowski, Berlin N 24, Aug-uststr. 69