Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 170 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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170 B Ücherbe s pre chun gen Tat oder Tatunterlassimg vergewaltigt und tötet das Fühlen und Denken nicht, sondern bedeutet eine Neuschöpfung für das religiöse Gefühl und die Geistigkeit des Menschen. (Fortsetzung folgt). Bücherbesprechungen. Das Buch de» Propheten Michah. Text, Uebersetzung und Erklärung nebst ausführlichen Beilagen von Rabb. Dr. A. Posner. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. 1924. Es gibt wohl zur Zeit kein wichtigeres Anliegen als Kommentare zu den Büchern der Bibel zu schaffen, die einerseits den Standpunkt der Tradition wahren, d. h. also die Authentie der ganzen Bücher und den überlieferten Text nicht antaste1׳ und die andrerseits an den Er• gebnissen der modernen Lexikographie, Bibelexegese und der Aus• grabungen wie der vergleichenden Religionsgeschichte nicht vorübergehen. Dass ein solcher Kommentar für die gesamte Bibel zugleich mit einer annehmbaren Uebersetzung geschaffen werden könnte, würde schon an dem Mangel geeigneter Kräfte in unserem Lager scheitern. Man denke nur daran, dass an der Kautzschen Bibelübersetzung 13 der ersten Autoritäten — wenn ich nicht irre — 7 Jahre gearbeitet haben. Darum ist der ״Versuch“, den Posner mit einem kleinen Ausschnitt gibt, aufs wärmste zu begrüssen. Den Ausdruck dieses Interesses sollen gerade die folgenden Ausstellungen als Anregungen für die Fortsetzungen bieten. Ueber die Form, die man derartigen Kommentaren zu geben hat, kann man verschiedener Meinung sein. Wünschenswert wäre gewesen, dass Uebersetzung und Kommentar immer durch Absätze abgetrennt wären und noch praktischer erscheint die u. E. zu Unrecht verlassene Methode der Trennung von Text und Kommentar durch den Strich. Auch hätte manches von den Beilagen in den Kommentar hineingearbeitet werden sollen. Die semitische Sprachvergleichung wie die moderne Literatur des Orients ist wenig berücksichtigt. Spricht man davon, dass die Septuaginta anders gelesen hat, dann darf man es auch nicht versäumen, hinzuzufügen, dass diese anderen Lesarten der Septuaginta uns nicht dazu berechtigen, die Richtigkeit des massoretischen Textes zu verdächtigen. An sich sollte überhaupt in viel höherem Masse das an sich für uns brauchbare Material aus der religionsgeschichtiichen Literatur heran gezogen werden. Hinweise auf die Willkürlichkeit der Konjekturen sind von grossem Werte. Wohlverstanden: wir stellen an die Ausgaben, wie sie Posner unternimmt, nicht den Anspruch eines streng wissenschaftlichen neue Ergebnisse vermittelnden Kommentars. Aber wir denken sie uns in Form der Strack-Zöcklerschen Kommentare. Es ist ja heute völlig ausgeschlossen, Lehrern oder Lehrerinnen, die nicht die alten hebräischen Kommentare lesen können und wirklich nach dem massoretischen Text unterrichten wollen, irgend ein Hilfsmittel in die Hand zu gehen. Die neueren, und wir möchten sagen noch mehr Ehrlich, lassen keinen Stein auf dem anderen. Strack-Zöckler und Keil-Delitzsch sind für uns nicht brauchbar wegen der christianisierenden Tendenz. Der letztere ist auch schon