Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 169 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die religiöse Tat 169 erfüllen, wie eben ein Kind, das seine Eltern liebt und ihnen besondere Zeichen einer besonderen Verehrung zeigen •will, in diesem und jenem, auch in der kleinsten, nebensächlichsten Handlung dieser Gesinnung Ausdruck zu geben vermag oder Ausdruck zu geben versucht, was ja für den beabsichtigten Zweck ohne weiteres genügt. חוקים nennt die Lehre diejenigen Gesetze, deren Gründe (nach den Worten der mündlichen Ueberlieferung) dem Menschen verschlossen sind. Wieviel Verkennung hat diese Tatsache schon erfahren! Hat man sich schon daran gewöhnt, Gesetze, symbolische Handlungen, Zeremonien als geboten zu erachten, deren Gründe nur ״so ungefähr“ bekannt sind, immerhin jedoch restlos bekannt sein können, — aber Gesetze zu halten, deren Gründe dem Menschen niemals zugänglich sein werden, kann doch eine Religion nicht verlangen, deren Zentralpunkt die Läuterung des Menschen ist, sodass doch jede3 Gesetz eine Beziehung zu seinem Innenleben haben muss!? Und doch, die חוקים lehren den Menschen das Bewusstsein der Notwendigkeit des unbedingten kritiklosen Gehorsams Gott gegenüber. Dadurch, dass er gezwungen ist, Handlungen zu vollziehen, deren Grund und Zweck er mit seinem Geiste nicht erfassen kann, soll der Mensch sich bewusst werden, wie klein seine Intelligenz sei im Vergleich zur Geistigkeit Gottes, da er ja nicht einmal ein winziges Teilchen des göttlichen Geistes, als welches sich ein einzelnes Gebot darstellt, geistig erfassen könne. So wächst für diesen Menschen das Wesen Gottes mehr und mehr ins Ewig-unfassbare, Riesenhafte, Unendliche . . . ‘Er wird in Zukunft nicht mehr von Gott abfallen, wenn sein Wesen und Walten ihm unbegreiflich erscheint. Er spricht nicht nur von der allseitigen (räumliehen, zeitlichen, geistigen) Unendlichkeit Gottes, sondern er fühlt sie, denkt sie und erlebt sie. Er verliert den Glauben an sich selbst und gewinnt den wahren Glauben an die wahre Wesenheit Gottes. Er erlebt durch eine äussere Handlung, durch die Erfüllung eines חוק, die tiefsten Werte des menschlichen Innenleben3. Die Erfüllung einer rationell unfassbaren gebotenen