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Jeschurun · 1925-03-01 · Heft 3-4 (März 1925) · p. Seite 168

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 3-4 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 168 (sequence 78)
Language
German
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168 Die religiöse Tat selbst. Jede rrtfö-Tat, aber auch jede noch so profane Handlung erhält durch sie eine persönliche religiöse Note, (die häufig rein individuellen Wert hat). Es lässt sich nicht leugnen, dass jeder Mensch, seiner Individualität entsprechend, abgesehen von den offiziellen Religionsgesetzen individuelle Mittel nötig hat, um zur höchsten Reife sich durchzuringen. Man kann alle ״jüdischen Gebote“ halten und trotzdem religiös minderj wertig (נבל) sein. Dies trifft auf denjenigen zu, der nicht im j Stande ist, Mass zu halten und sich persönlich Fesseln aufzuerlegen in der Befriedigung der vom Gesetz im Prinzip gebilligten und gutgeheissenen Trieb'e und Leidenschaften. (Cf. Ramban zu Lev. 19, 2). Reiche Freiheit im Auswirken seiner Persönlichkeit ist hier dem einzelnen gegeben und die religiös-starken und religiös-selbstständigen Persönlichkeiten machen von ihr ausgiebigsten Gebrauch• Häufig tritt das ausserordentlich reiche und selbständig-schöpferische Innenleben dieser Persönlichkeiten in selbstgewählten, sinnfälligen Handlungen und Erlebnissen deutlich zu Tage. Wie kläglich stünde der Mensch, der Judo als religiöse Persönlichkeit da, wenn der Bereich des Religionsgesetzes deutlich abgegrenzt wäre oder wenn dieses sich gar nur auf wenige Gesetze beschränken würde, die der religionswillige Mensch leicht restlos erfüllen könnte! Denn wie arm ist ein Mensch, der sich reich fühlt im Glauben seines Gottes genug getan zu haben! Doch reich der Mensch, der in grenzenlosem Bemühen der Weltenferne Gottes nahe zu kommen sucht. Eine stille Sehnsucht nach dem Höchsten, Letzten lebt in ihm, ein rastloses Streben, dem nie Erfüllung wird, das aber gerade deshalb die bestmögliche religiöse Einstellung des Innenlebens schafft, das Bewusstsein, seine Pflicht dem Göttlichen gegenüber niemals restlos erfüllt zu haben und im Gefolge die praktische Auswirkung: dass der Mensch immer nnd immer Mittel sucht (ausserhalb der offiziellen Gesetzesübung oder durch freiwillige Durcharbeitung und Ausschmückung) seine Aufgabe, wenn es schon gänzlich nicht möglich ist, so doch wenigstens in höchstmöglichem Grade zu

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