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Jeschurun · 1925-03-01 · Heft 3-4 (März 1925) · p. Seite 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 3-4 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 165 (sequence 75)
Language
German
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seinem natürlichen Wesen nach, sich sowohl gegen üas Geistig-Religiöse als auch das Sittlich-Religiöse der von ihm anzustrebenden Heiligkeit sträubt. Neben die Sinnlichkeit de3 Körpers, die den Menschen zur steten Befriedigung seiner unzähligen natürlichen, religiös-negativen Triebe zu zwingen sucht, tritt die Sinnlichkeit(!) (״צרי הרע) des Geiste s10. 10) Nur das Gefühl ist a priori auf das Religiöse eingestellt. Sehleiermacher hat dies schon erkannt. Denselben Gedanken behandelt W. James ausführlich in einem seiner neuesten Werke ״The varieties of religious experience“ u. a. mit den Worten: ״Ich glaube, dass das Gefühl eine tiefere Quelle der Religion sei (als die Vernunft) . . . und dass philosophische und theologische Formeln nur sekundäre Produkte sind, ähnlich wie Uebersetzungen eines Textes in eine andere Sprache0 (S. 431); an einer anderen Stelle (S. 74) heisst es: ״Der Instinkt leitet, der Intellekt muss folgen . . . wenn jemand die Gegenwart eines lebendigen Gottes fühlt, so können kritische Argumente nichts daran ändern“; und vom mystischen Gefühl sagt Jame3 (auf S. 422): ״Der mystische Zustand ist autoritativ für das betreffende Individuum, er ist keine Autorität für andere, aber er bricht die Autorität des rationalistischen Bewusstseins nieder״, (das auf Verstand und den Sinnen basiert). Nach Josef Popper-Lynkeus, üeber Religion S. 86,87. Dass das religiöse Gefühl angeboren ist und nicht das Produkt einer von aussen her wirkenden Beeinflussung sein muss, wird durch die Tatsache bewiesen, dass kleine Kinder, die nachweisbar stets areligiös oder sogar antireligiös erzogen werden, ein religiöses Empfinden in sich tragen, das so tief und echt ist, dass es durchaus nicht als Naivität oder Kindlichkeit ausgelegt werden kann. Und andererseits, aus der grossen Masse der nicht religiösen Menscher! zu schliessen, dass das Religiöse nicht, oder nicht allen Menschen angeboren sei, ist eine völlig unberechtigte Folgerung, wenn sie auch viel Wahrheitsgehalt zu besitzen scheint. Denn das äussere Leben des seinem Wesen nach im Materiellen wurzelnden Menschen, wahrt dem in ihm schlummernden Religiösen durchaus nicht Neutralität, sondern steht ihm feindlich gegenüber, und es muss verkümmern, wenn es nicht geweckt und ohne Unterlass gepflegt wird. Und wenn bei älteren, alten Menschen das Religiöse wieder mehr und mehr ins Bewusstsein tritt, so liegt dies sicherlich nicht immer in der Tatsache begründet, dass der Mensch sich vor dem Tode, der schon nahe ist, und vor seinen Folgen ״fürchtet״, sondern auch darin, dass, wie die Psychologie lehrt, im Alter die Bewusstseinsinhalte der Jugend (nach jahrzehntelanger Unterbrechung) wieder auftreten.

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