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Jeschurun · 1925-03-01 · Heft 3-4 (März 1925) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 3-4 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 163 (sequence 73)
Language
German
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Die religiöse Tat 168 ihrer Unvollkommenheit, in der ihnen innewohnenden Halbheit verkennen und sie als die ־wirklichen Ziele ansehen, da ja auch schliesslich die völlige Erreichung des Höchstziels (praktisch) eine Utopie ist. Auch seine sittliche Schwäche könnte ihn verleiteD, sich schon mit der Erreichung der näher gelegenen und leichter erreichbaren Ziele zu begnügen. Die jüdischen Propheten allerdings setzen sich mit der ganzen Glut ihrer Begeisterung für die Gesinnungslehren ein; sie geissein eben die Frevel ihrer Zeitgenossen, die unter dem Deckmantel der Befolgung einzelner, das unmittelbare Verhältnis zum persönlichen Gott (Opfer, Tempelhesuch, Gebet) betreffender Gesetze die Pflichten gegen die Nebenmenschen mit Füssen treten. Wie weit aber die Propheten entfernt sind, auch nur die kleinsten, das Aussenleben des Menschen bestimmenden Religionsgesetze als nicht unter allen Umständen bindend zu betrachten, erhellt aus einem einzigen Vers der Prophetenbücher, welcher das ganze, künstlich aufgebaute Lehrgebäude von der Geringschätzung oder gar Verwerfung des ״Gesetzes“ seitens der Propheten niederreisst: Mitten in einer Rede, welche förmlich in Ideen des reinen Menschentums schwelgt, macht der Prophet die Reinheit des Menschen abhängig von der genauesten Befolgung auch der kleinsten Sabbatvorschriften. In Jesaja Kap. 58 stehen nämlich unter mehreren anderen Versen gleichen oder ähnlichen Inhalts auch folgende sehr charakteristische Sätze: .5 הכוה יהיה צום אבחרהו יום ענות אדם נפשו הלכף כאגמן ראשו ושק ואפר יציע הלזה תקרא צום ויום רצון לה׳. 5. Soll so der Fasttag sein, den ich erwähle; so der Tag, an dem der Mensch seine Seele kasteien6 soll? Sein Haupt beugen wie Schilfrohr, Sack und Asche sich unterlegen7 — nennst du das einen Fasttag, Tag des göttlichen Wohlgefallens?! *) Reminiszens an (Lev. 23,27) ועניהם אח נפיטתינם. 7) Nicht nur das Tragen eines Sackes am Körper und von Asche auf dem Kopfe, sondern auch das Sichniederlegen auf einem Sacke und auf Asche galt als Zeichen der Zerknirschung und Trauer.

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