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Jeschurun · 1925-03-01 · Heft 3-4 (März 1925) · p. Seite 162

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 3-4 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 162 (sequence 72)
Language
German
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162 Die religiöse Tat für Leiden ansieht und in der Auslöschung des Seins das einzige Heil erblickt* * 6, — — ein solcher Mensch hat natürlich den Grad der von dem jüdischen Menschen anzustrebenden Heiligkeit nicht erreicht; denn er anerkennt nicht den wahren, geistigen Grund der Forderung nach Heiligwerdung. 3. Eine Religion, die nicht das Höchstmögliche des Erreichbaren als Ziel anerkannt, die nicht das absolute Höchstziel menschlicher Kraft, Heiligkeit, kennt, gibt dem Menschen andere (näher liegende, leichter erreichbare) Ziele als Endziele an, z. B. die Nächstenliebe. Diese Gesinnung, die, streng genommen, nur Pflichten dem Irdischen, nicht dem persönlichen Gotte gegenüber umfasst, ist wie jede andere religiös-positive dem Begriff der Heiligkeit eingeordnet, untergeordnet, eine Einschränkung desselben. Solche Einschränkungen der menschlichen Höchstaufgabe (als Gesinnung) haben keinen Platz in der autoritativen jüdischen Gesetzeslehre. Mit Unrecht vermisst man also die Gesinnungslehren des ״reinen Menschentums“ in ihr. Sie würden nur den Menschen an der klaren Erfassung seines Erdenhochzieles, bei seiner Aufgäbe der höchstmöglichen Anspannung seiner selbst zur vollen Inbetriebsetzung aller seiner religiös positiven Kraftenergien hindern. Der Mensch würde zu leicht diese Zwischenziele in — allerdings in schwächerer Form — in ihren vor Buddha entstandenen Literaturwerken, den Veden und Upanischaden. 6) Der gerade entgegengesetzte Gedanke, nämlich die Bejahung der Welt, Optimismus in des Wortes höchster Bedeutung, ist im Wesen des Judentums tief begründet. Er wurzelt selbst in einem Spinoza, der doch dem Judentum so ferne stand und dessen Pantheismus (״deus sive natura“) demjenigen Buddhas (״nirväna״ der alles aus sich heraus zeugende Raum) doch ziemlich ähnlich ist — und Buddha ist doch der Vertreter des religiösen Pessimismus —, so tief, dass er ein wichtiger Pfeiler seines Lehrgebäudes wurde. ״Spinoza konnte den Juden nicht loswerden,״ sagt Schopenhauer diesbezüglich.

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