Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 161 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Die religiöse Tat 161 2. Das Hochziel des jüdischen Lebens soll, wie es seine Lehre klar bezeichnet, Heiligkeit sein. Darunter versteht man ganz gewiss nicht eine Summe von Einheiten des religiösen Tatlebens, sondern eine ganz bestimmte Einstellung des Innenlebens und zwar, wie uns scheint, nicht nur auf dem Gebiete des Religiös - Sittlichen, sondern auch des Religiös-Geistigen. Darauf deutet hin der zweite Teil des Satzes: ״Heilig sollt ihr sein; denn ich, der Ewige, Euer Gott, bin heilig (Lev. 19, 2).“ Wer Gottes Heiligkeit voll erfasst hat, von ihrer notwendigen und tatsächlichen Existenz völlig überzeugt ist, an sie rückhaltlos glaubt2 und diese, deshalb angestrebte, Heiligkeit erreicht hat, ist am Hochziel der menschlichen Erdenaufgabe angelangt. Wer aber heilig (Torat Kohanim zu Lev. 19,2: 3קדושים תהיו פרושים תהיו), d. h. ״losg e 1 ö s t“ von den Fesseln der Erde, jederzeit Herr aller seiner Triebe ist, aber in diesem Lostgelöstsein einer anderen Idee als derjenigen der Gefolgschaft der Heiligkeit Gottes folgt, wer also z. B. sich deshalb von der Welt loslöst, weil er nach der Lehre Buddhas4 Welt und Leben für eitel Täuschung und 2) Die Frage, ob dies das Ergebnis seiner geistigen Forschungen oder seines auf Ueberlieferung beruhenden Glaubens oder anderer Umstände ist, kann in diesem Zusammenhang als belanglos ausscheiden. 8) Die Grundidee dieses פרושים תהיו und, was damit identisch ist, die Grundidee des Judentums ist nicht, den Menschen völlig von der Befriedigung gewisser (oder gar aller) Triebe und des ihm innewohnenden Triebhaften ״abzusondern״, abzuhalten״, wie es im Priester- und vor allem im Mönchtum der christlichen Religion angestrebt wird, (was allerdings praktisch nur äusserst selten zur Durchführung kommt), sondern das jüdische Religionsgesetz zielt in seiner Erziehungstendenz darauf hin, den Menschen so stark zu machen, dass er i n der Befriedigung seines Treibhaften auf das Kommando des Gesetzes stille zu stehen vermag. Es ist eine viel, viel schwierigere Aufgabe, im Schwelgen der Genüsse Mass zu halten, als einen Genuss von sich zu weisen, den man nicht kennt. Und dieses Höchste fordert das jüdische Gesetz von seinen Bekennern. 4) Dies0 wichtige Idee der indischen Theosophie findet sich schon