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Jeschurun · 1925-03-01 · Heft 3-4 (März 1925) · p. Seite 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 3-4 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 158 (sequence 68)
Language
German
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158 Die jüdische Geschichte usw. autoritative Bedeutung wie der Raschikommentar unter den Aschkenasim, und Mendelssohns deutsche Bibelübersetzung entfesselte einen Sturm der Entrüstung in den rabbinischen Kreisen. Man verstand es sehr wohl, dass diese Uebersetzung mehr dazu diente, die jüdischen Leser zur deutschen Literatur hinüberzuleiten, als die Kenntnis der Bibel zu verbreiten, vor allem aber, dass ihr der feste Halt der jüdischen Tradition fehlte. Wie ganz anderes Wesen und andere Wirkung hätte die deutsche Bibelübersetzung gehabt, wenn eie in engster Zusammenarbeit mit den rabbinischen Grössen der Zeit geschaffen wäre und dadurch die historische Kontinuität der Ueberlieferung gewahrt hätte. Dass dieses nicht geschah, vielleicht nicht geschehen konnte, war eine der Hauptveranlassungen für den Kulturkampf, den das deutsche Judentum an der Wende des achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert durchmachen musste. Dem Eintritt der deutschen Juden in die Weltkultur fehlte der berufene Führer. Die edelsten Motive um das Wohl seiner Brüder haben Mendelssohn zweifellos beherrscht. Gross sind seine Verdienste um die politische und soziale Besserstellung der Judenheit♦ Aber verhängnisvoll war es für ihn und die jüdische Gesamtheit, dass ihm ohne seinen Willen eine Führerrolle im geistigen Leben des jüdischen Volkes zufiel, der er nicht gewachsen war. Ihm fehlte das tiefere geschichtliche Verständnis und die innerliche Verbundenheit mit dem Sein und Wesen des jüdischen Volkes. So erkauften seine nächsten Schüler und Anhänger ihren Eintritt in die Weltkultur zum grössten Teil mit Aufgabe des Judentums. Die Zeit brach heran, da allmählich in allen Ländern der Diaspora das jüdische Volk aus Jahrhunderte langer Isoliertheit heraustreten musste. Jetzt handelt es sich nicht mehr um einige Teile des Volkes, sondern im Laufe von wenig mehr als einem Jahrhundert tritt das Problem der Selbstbehauptung innerhalb eines anderen Kulturkreises, mit dem man durch immer mehr und stärker werdende Bande verknüpft wird, an die jüdische Gesamtheit heran, in grösster geographischer Ausdehnung und alle sozialen Schichten umfassend. Unter Verfolgungen und Abschliessungen

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