Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 153 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Geschichte usw. 153 und weiter bildeten. Durch scharfe dialektische Schulung schufen sie jene gründliche und glanzende Methode des Studiums, die bis in die Gegenwart hinein den Jüngern der Talmudhochschulen eigen ist. Gewiss hat die Methode des ״Piipul“ da, wo sie Selbstzweck oder gar Mittel zum Glänzen wurde, ihre schweren Gefahren. Aber verbunden mit dem unbedingten Streben nach Wahrheit und dem klaren Blicke für das Wesentliche ist sie von unschätzbarem Werte für gründliches Talmudstudium. — Zu den hervorragendsten Grössen des sechzehnten Jahrhunderts gehören R. Mose Isserles, der ״Remo“, berühmt durch seine für die ganze aschkenasische Judenheit autoritativen Glossen zum Schulchan Aruch seines Zeitgenossen R. Josef Caro, sowie der als Halachist und kritischer Talmudforscher gleich bedeutende R. Salomo Lurja, der ״Maharschal“. — Ungleich der Glanzzeit Spaniens beschränkte sich das Geistesleben der polnischen Gelehrten fast ganz auf Talmud. Historische, astronomische und auch philosophische Studien, wie wir sie gerade bei R. Mose Isserles finden, sind Ausnahmen. Aber diese Selbstbeschränkung des polnischen Judentums gab ihm eine so gewaltige Intensität des jüdischen Fühlens, dass es die furchtbaren Verfolgungen des im Jahre 1648 beginnenden Kosakenaufstandes überdauern konnte. Diese furchtbare Katastrophe soll im Laufe eines Jahrzehntes an 600000 Opfer gefordert haben; in alle Länder ergoss sich ein Strom polnischer Flüchtlinge. Und doch blieben Polen und Litauen die Länder der jüdischen Massenansiedelung. Der Wohlstand der dortigen Juden war dahin, aber auch in den jetzigen dürftigen Verhältnissen war das ganze Leben dem Talmudstudium gewidmet. In Deutschland brachte das siebzehnte Jahrhundert zwar keine wesentliche Hebung der sozialen Stellung, aber die Gewalttätigkeiten liessen allmählich nach. Auf die Vertreibung der Juden aus Frankfurt im Jahre 1614 folgte nach zwei Jahren ihre feierliche Zurückführung nebst Hinrichtung ihrer Feinde. Unter den Greueln des dreissigjährigen Krieges litten natürlich auch die Juden, doch kam es zu keinen schweren Verfolgungen. Persönlichkeiten wie R. Jomtob Lipmann Heller und R. Meir