Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 146 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Vod jüdischer Politik das »Auge״ in Anspruch genommen, wie es beispielsweise die Geschichte der mohammedanischen Bewegung zeigt, aber schwerlieh wird ein Vergleich in der Auffassung von Geschichte und Politik zwischen Islam und Judentum möglich sein. Was bei Kohn umwölkt durchschimmert, ist für uns sonnenklar: Die Kräfte unseres Volkes sind durch die g’ttliche Thora gebessert, gehoben und gesteigert worden, bis die Volksseele mit dieser Thora verschmolz. ״Denn sie ist unser Leben und die Länge unserer Tage״. Das gibt Kohn für die Vergangenheit zu — und biegt mit Beginn des 19. Jahrhunderts von diesem Wege jüdischer Politik ab. Diese letzte von Kohn gebrachte Darstellung ist mehr von Gefühl, dem schlechten Führer in der Politik, als von logischer Erwägung bestimmt. Hier tritt offen die Kluft zutage, an der der Verf. vorüberhuschen will. Er sagt selbst, dass die Tat des einzelnen es ist, die das Wesen jüdischer Politik seit jeher und insbesondere seit dem Untergange des Staates ausmacht. Dann aber ist es unmöglich, die Cohens und Einsteins als Männer zu bezeichnen, die an der jüdischen Politik Anteil haben. Wohl sind es Kräfte unseres Volkes, die zum Dünger werden auf dem Geistesacker Europas, aber nicht sie und nicht ihre Leistungen sind als Weg- Zeichen jüdischer Geschichte anzusehen. Mendelssohns Zeitalter eröffnet eine Epoche der Umwälzung. Der Zerfall der inneren Verfassung, die in vielen Gegenden einsetzte, war identisch mit dem Abweichen von jenem von Kohn gezeichneten Wege jüdischer Politik. Die weitere Entwicklung ins rechte Licht zu rücken, verbietet sich im Kähmen dieses Aufsatzes. Klar ist, dass die politische Idee des Judentums durch die Ankunft des Moschiach d. h. durch g’ttliches Eingreifen erfüllt wird. Was bis dahin ״politisch״ zu leisten ist, kann als Erfüllung der Thora und der Vervollkommnung in ihrem Sinne bezeichnet werden. Das ist aber kein Fortschritt, keine Entwicklung, sondern Rückschritt ״zu den Tagen, wie sie einst waren״. Was sonst zur Gesundung unseres Volkes, seines Körpers und seines Geistes, seiner Thora, geschieht, verdient seinen Platz in den