Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 143 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Von jüdischer Politik 143 Stifters und seinem Wiederkommen, der wahre Christ ist drum ein Abgeschiedener von der ganzen Welt, von jener Welt, in der der Jude lebt, um sie zu heiligen. Trotz dieser Gegen- Sätze der Idee ist das Christentum ein Herold für die Völker geworden, der die jüdische Gewissheit, die Lehre vom Menschen, die Lehre von der Z ukunft gekündet. Bis heute wirken noch diese Tendenzen im Leben der Völker. Kohn schildert nun im folgenden die Entfaltung der politischen Idee innerhalb des Judentums zu dieser Zeit. Er bringt Sentenzen der Pharisäer — namentlich im letzten Teil ״die Lehre* —, die die Auffassung von der Freiheit des Menschen erkennen lassen, der mitschaffen kann zum Guten oder zum Bösen, zur Verwirklichung des göttlichen Weges. Die Essäer, die von strenger Arbeit lebten und sich Führer wählten, während sie die Herrschaft des Menschen über den Menschen verwarfen, stellen nach Kohn einen Versuch da, den Gedanken des allgemeinen Priestertums konsequent durchzuführen. Die Sehnsucht zur Zeit der Römer die äussere Freiheit zu bewahren, wurde nicht Wirklichkeit, aus innerer Freiheit bauten sich die Juden ein Reich, das zweitausend Jahre Bestand hatte, ohne äussere Grundlage. Auch die zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts einsetzende Auflösung der bis dahin geltenden jüdischen Gemeinschaftsform, die sich in der Zerstreuung herangebildet hat, ist für Kohn wohl ein Wechsel äusserer Form, aber keiner des inneren Lebens. In Führern und Denkern, die in allen möglichen Sprachen schufen, trieben die alten Kräfte weiter. Nach wenigen Jahrzehnten der scheinbaren Erschlaffung stehen wir heute wieder vor einem Aufstieg jüdischen Geistes, ein Kampf zwischen jüdischein und nichtjüdischem Geist scheint wie ehedem bevorzustehen, und vielleicht aus dem Gefühl der Bereitschaft für diesen Kampf entspringt die Sehnsucht nach der Rückkehr in das Land, in dem einst die Idee des Judentums sich entfaltet bat. Jener Kampf hat nichts zu tun mit den Kriegen der Menschheit, er sucht ihnen vielmehr ein Ende zu bereiten. Vom Lande unserer Väter kann neue Anregung für die Völker ausgehen; alle jüdische Geschichte zielt auf Sammlung, aller Segen ist Sammlung, aller