Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 142 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Von jüdischer Politik der Gemeinschaft soll erstrebt werden, in diesem Sinne haben wir Politik vor uns. Aber nicht wird diese Gestaltung so gebandhabt wie es allgemein üblich ist. In drei Begriffskreisen hat sich nach Kohn in der Geschichte diese jüdische Politik bewährt, in dem des Bundes, des Menschen und des Reiches; Unter Moses wird der Bund geschlossen; der freiwillige Vertrag mit G’tt ist seine Auserwähltheit. Unter Samuel vollzieht sich der Bruch, das Königtum ist da. Die Propheten kämpfen nicht gegen das Königtum als solches, sondern nur gegen das entgöttlichte Königtum. Sie fordern den Weg der Sittlichkeit nnd Gerechtigkeit, der wahren Politik, die den Staat nur als das Instrument G’ttes bestehen lässt. Sie verkünden den Untergang des unrechtmässigen Staates. Doch wissen sie um die Rettung eines Restes, der den Kern bilden wird zur Einigung der ganzen Menschheit in einem grossen Reiche. Im Laufe des ersten Jahrtausends wird die jüdische Grundidee festgelegfc, um in der nachfolgenden Zeit bestimmend auf das Judentum und von ihm aus auf andere Völker zu wirken. Als Medium dieser Uebertragung ist nach Kohn der frühchristliche Kreis anzusehen und die jüdischen Worte, die durch die Schriften des חג״ך und des Neuen Testamentes zu den Völkern gedrungen. Die Ethik des christlichen Religionsstifters sei jüdisch. Auch er fordere die Tat, die absolute Hingabe. Er habe kein neues Element eingeführt, er baue nur auf den neuen Elementen der Propheten. Aus Ungeduld nach Herbeiführung des Reiches ist seine erschwerende Interimsethik geboren, aus ihr heraus lebt in ihm das Bewusstsein des Messias, als welcher er die in der Tradition vorgezeichneten Leiden auf sich nimmt. Auch für ihn beruht das Reich unzweideutig auf Israel, das erst bei der Einigung der ganzen Menschheit seine Sonderheit verliert. Der Stifter der christlichen Religion steht nach Kohn völlig auf dem Boden des Judentums, erst mit dem Nichteintreffen des Reiches beginnt die Geschichte des Christentums, die Lehre des Stifters tritt in den Hintergrund, die Christologie in den Vordergrund. Alle Zeit wird für den Christen nur Zwischenzeit zwischen dem vergangenen Leben des Religions-