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Jeschurun · 1925-03-01 · Heft 3-4 (März 1925) · p. Seite 141

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 3-4 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 141 (sequence 51)
Language
German
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Von jüdischer Politik 141 Standes Propheten aufcreten, die den Staat verwerfen. Sie sehen in ihm nur einen Notbehelf, der Mensch ist ihnen die Hauptsache. Doch uns will es scheinen, als ob schon vor dieser eigentlichen Epoche der Propheten der Widerspruch zwischen allgemeiner Staatslehre und wahrem Judentum eklatant hervortritt. Jerobeam hatte sein Reich errungen, das seiner Entstehung nach stets im Gegensatz zu Juda seine Selbständigkeit zu wahren trachten musste. Ein Hinaufzug sämtlicher Männer seines Volkes in die Hauptstadt des gegnerischen Nachbarreiches, und zwar dreimal im Jahr in Verbindung mit grossen Festlichkeiten dortselbst musste naturgemäss die Anhänglichkeit der Bewohner zum Reiche und seinem Herrscherhause auf das Tiefste gefährden. War es nicht eine Forderung elementarer Politik, wenn Jerobeam Mittel und Wege suchte, das Volk vom Hinaufzuge nach Jerusalem abzuhalten? Musste Jerobeam wirklich so verderbt sein, als er die Kälber in Bet־El erbaute? Und dennoch! Jerobeam ist der Verführer Israels. Und G’tt wusste doch, welches Dilemma er schuf, als er das Reich Israel entstehen liess und auch weiterhin an Jerusalem und seinem Tempel als Sammelstätte des ganzen Volkes festhielt. Aber Politik hat nur dann Existenzrecht, wenn sie sich als Bestandteil der Thora fühlt. Die Rechte des Königs sind durch die Kraft der Thora allein verbürgt. Doch weil es so kommen musste, wie es kam, dass das Königtum des jüdischen Volkes mit dem der anderen wetteiferte, dass es nur ganz grossen Persönlichkeiten auf diesem Throne gelingen konnte, ihr Recht als Thorarecht allein aufzufassen, dpim empfahl G’tt seinem Volke nicht, einen König zu wählen, drum Samuels erbitterte Rede und G’ttes Ruf: ״Nicht dich, sondern mich haben sie verachtet, über ihnen zu regieren.* Schärfer als Kohn an anderer Stelle ist in dem Wunsche nach einem König ״wie alle anderen Völker* nicht nur eine starke Assimilation zu sehen, sondern diese neue Einrichtung ist eigentlieh der Grund für den Untergang des jüdischen Staates. Politik mit zweierlei Mass konnte nicht bestehen. Der Kampf ist nach Kohn durch die Propheten entschieden. Die jüdisch-prophetisch-politische Idee geht vom Menschen aus und endet bei G’tt. Die Gestaltung 4

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