Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 140 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Von jüdischer Politik er sich ihm auch manchmal nähert). Der Talmud, der überall Widerstreit der Meinungen ist und so zahlreiche und mannigfache Lehren enthält, zeigt deutlich, dass Judentum Volks• tum ist. Die Juden waren Schöpfer in der Erkenntnis, doch die Frucht ihres Denkens, die Idee sonderte sich bald von dem Menschen, der sie gefasst, von seiner Schwäche und Unvoll• kommenheit, sie begann ein eigenes, in sich vollendetes Leben zu führen. Aehnliches gilt von den Griechen. Aber der Judo ist schöpferisch in der Tat und weil der Mensch es ist, der sie vollführt, muss sie immer Unzulängliches an sich haben. Schöpferisch sind auch hier nur die Grossen; sie sind es die die Forderung kompromisslos aufstellen. Nie hat man ein Volk mit solchen Aufgaben belasten wollen und nie ist auch dem so starker Widerstand entgegengestellt worden. Doch ist es gerade im Sinne dieser Gedankengänge unrichtig, wenn Kohn nun sagt: ״Und im jahrhundertelangem Kampfe gelingt es, das Volk zur Aufsichnabme des schweren Joches dieser Forderungen zu bewegen.״ Wie Kohn mit Recht oben sagte, der Bund unter Moses bildet die Grundlage für Wesen und Werden jüdischer Politik. Der Wille zur Tat ist das Wesen dieser Bundes- Verpflichtung und die Natur, wie der Vf. an anderer Stelle sagt, sie ist es, die ihr Recht fordert. Bei den Grossen stürmt dieses Naturrecht mit Macht an; es wird im Kampfe niedergeworfen, aber auch ein Held kann unterliegen. Bei der Masse ist auch der Kampfeswille da, die Kampfmittel nur sind dem entgegenstehenden Feinde nicht gewachsen, drum gewinnt er Boden für längere oder kürzere Zeit. David und Salomo waren trotz ihres Sündenfalles wahre Grössen ihres Volkes. Von Rechabeam aber heisst es: ויעש הרע כי לא הכין לבו לדרוש את ד* (דברי הימים ב׳, י״ב, יי״ד). Der Mangel an ständiger Herzenseinstellung auf Gtt war die Ursache seines schlechten Tuns — ganz im Sinne der Abspannung, — wie sie der Vf. oben als eigentliche Sünde bezeichnet. Doch der all• gemeine grundlegende Wille zur Aufsichnabme des Joches ist stets vorhanden. (Vgl. auch die erwähnte Stelle im שערי תשובה). Der Vf. schildert nun weiter, wie in der Zeit grössten Wohl-