Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 139 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom jüdischer Politik 189 nur Richtung und Tendenz. Die Griechen hatten Augen: ,wissen und schauen (oloa) sind eins. Der Jude hört in erster Linie. Die Stimme Gttes hört er nicht wie bei den Griechen zur Gottesschau, zur dscopta, sondern zur Tat, und der Abfall kann dem Grössten begegnen. Das Schöne ist für den Griechen die Form, das Begrenzte, auch auf ethischem Gebiete das Gleichmass der Kräfte. Die Welt als Zeit kennt nicht die Ausgeglichenheit der nebeneinander entfalteten Kräfte, sie ist einseitige Kraft, dahinstürmend. Der Mensch soll Einung der Gegensätze und Spannungen suchen. Gtt ist — aber er wird 'Wirklichkeit durch die Bewährung. Der Weg zur Tat führt zu einer fortlaufenden Reihe von Entscheidungen. Aus Abspannung, aus Trägheit des Herzens wird der Jude zum Sünder5). Dies Z-dtdenken hat für Israels Geschichte umfassende Bedeutung. Israel hat seine Heimat in der Zeit aufgeschlagen. Sein Gtt ist der Gtt der Geschichte und seine Werkzeuge sind alle Menschen. Doch Israel ist auserwählt, es spürt am stärksten die Last des Gitesreiches. Die Natur fordert ihre Rechte, darum der immer wiedeikehreDde Abfall. Seit Arnos tritt immer mehr die Gewissheit der welthistorischen Einheit hervor, die Zeit der Einung jedes Menschen, die Zeit des Messias. Und Juda ist der Vorkämpfer für diese Zeit. Im zweiten Abschnitt, der wohl der wesentlichste ist, ,wird gesagt, dass aus den genannten Elementen seines Wesens das Judentum die politischen Ideen aufbaute. Moses und alle grossen Führer haben nicht eine Religion gemeint, sondern einen gttgemässen Weltzustand. In dieser Ausprägung ist Politik Religion; sie wird durch die Geschichte des Judentums bedingt. Die Quellen der politischen Ideen sind die Werke der vielhundertjährigen Literatur des Judentums. (Die Stellung des Vf. zu bibelwi6senschaftlichen Fragen ist ungeklärt; keines wegs steht er auf dem gesetzestreuen Standpunkt, wenn 8) Vgl. hierzu V׳r יונה hS שערי תשובה, der im ,שער ראשון ה in klarer, auschaulir.her Art zwischen d? m צדיק, der durch Niederlage nach Kampf sündigt, und dem Juden unterscheidet, der immer mehr zeitweiliges Geschehen zur Gewohnheit, zur eigentlichen Sünde werden lasst.