Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 138 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2293034-2293037--07536-2300818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
138 Von jüdischer Politik können, der Grund jenes Mangels wird zu erweisen sein, die Tatsache aber als solche lässt sich nicht leugnen. ״Der Juden Leben hat etwas Krankhaftes, denn kein Mensch kann zugleich zwei Völkern angehören.* Auch das ein Wort, dem Wahrheit innewohnt. Der Staat ist die Voraussetzung für das dauernde Dasein der Völker. Der Staatsmann ist ein kleines Abbild des Staates. ״Das Wesentliche an jedem grossen Staatsmann ist die Kraft des Willens, der massive Ehrgeiz, die leidenschaftliche Freude am Erfolg3}.״ Wenngleich nicht alle Historiker der neueren Zeit die Politik so sehr in den Mittelpunkt geschichtlichen Werdens rücken wie Treitscbke, wenngleich Kultur und Wirtschaft als wichtige Faktoren im Wesen und Leben der Staaten sehr zu beachten smd, so ist dennoch das hier Gesagte wahr; denn die Geschichte der Antike und der späteren Jahrhunderte verbürgt es. * Wie halten wir Juden es mit der Politik? d. h. welche Rolle wrard ihr in der jüdischen Geschichte zugewiesen und wie ist ihr Gebiet innerhalb des Judentums demgemäss zu begrenzen? Eine Schrift ist neuerdings erschienen, die uns davon Kunde geben will: ״Die politische Idee des Judentums״ von Hans Ko hn, London4). Es sei von vornherein betont, dass diese Schrift durch ihren klaren Aufbau und ihr reiches Beweismaterial jedem Juden Nutzen bringen wird, obwohl grundlegende Bedenken gegen manche These zu erheben sind. Die Abhandlung zerfällt in drei Teile: ״Das Wesen״ ,״das Werden״ und ״die Lehre״. Die Griechen waren ein Rassengemenge und doch gibt es eine spezifisch griechische Art. Das Rassenhafte gibt auch für den Charakter der Juden nicht die Erklärung; mit einem bestimmten Charakter tritt das jüdische Volk in die Geschichte ein und wTie beim Einzelmenschen ist nach Kohn der Charakter eines Volkes nur aus der zeitlichen Entwicklung zu begreifen. Es gibt hierfür kein Gesetz, es gibt 8) ebenda 8. 66. 4; Meyer und Jessen Verlag, München. Preis 2.50 Rrn.