Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 132 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Die neueste Gestalt 118w. II. So kann nun fortgefahren werden, bei den unendlich vielen Punkten, an denen die neueste Darstellung der Geschichte Israels deren überlieferten Gang umstürzt, die Anlässe dieses Umsturzes zu prüfen. Doch soll diese Fortsetzung hier nicht auf dem Gebiete der äusserlichen oder profanen Verhältnisse, sondern vielmehr in bezug auf die geistige und insbesondere religiöse Entwicklung dieses Volkes, unternommen werden, da ja in ihr geine weltgeschichtliche Bedeutung liegt. Wird nun auf diesem geistigen Gebiete der von Israels Geschichtsschreibung bezeugte Gang der Entwicklung von Sellin als richtig festgehalten? Nein, der Leser^ des neuen Buches hört keinWort von Abrahams epochemachender Stellung in der Religionsgeschichte seines Stammes und überhaupt. Davon, dass der erste Patriarch sich in religiöser Hinsicht von seinen Verwandten trennte und der erste Bürger einer neuen Religionsgemeinschaft wurde, deren erhabenes Ziel in der schliesslichen Segnung des ganzen Menschengeschlechts lag (1. Mos. 12,1—3; Jos. 24,2f.), ist in dieser neuesten Dar- Stellung der Geschichte Israels nicht die Rede. Nach Sellin ״kann ein qualitativer Unterschied zwischen der Religion der hebräisch-aramäischen Stämme im allgemeinen und der Religion der Israelsstämme nicht bestanden haben“ (S. 47). Also der Zentralpunkt im geschichtlichen Bewusstsein Israels, dass die Anfänge seiner kulturgeschichtlichen Mission schon vor Moses Periode gelegen haben und dass in dieser nur eine neue Wendüng in der Geschichte der wahren Religion eingetreten ist, wie dies beides schon in' den ältesten Quellen sich widerspiegelt (2 Mos. 3,1 ff.), wird in dieser neuesten Geschichte Israels bei Seite gestossen. Ferner auch bei der Charakteristik der von Mose ▼erkündeten Religion bewegt sich Sellin auf dem neuerdings von seiten der Wellhausenianer ihr zugestandenen Niveau. Denn auch wieder nach Sellin soll Israels Religion bis Salomo eine ״ganz und gar diesseitige Religion44 gewesen sein (S. 198), während schon nach den ältesten Quellen die Gott-