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Jeschurun · 1925-03-01 · Heft 3-4 (März 1925) · p. Seite 109

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 3-4 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 109 (sequence 19)
Language
German
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Von den Idealen u8w. 109 des Judentums, eine Geburtstunde voll Weihe war, mit der ganzen Inbrunst neugeschaffenen Lebens. Man lese etwa bei Samson Raphael Hirsch im Chaurew die Kapitel über Erziehung und Unterricht, wie er versucht aus der Gesamtaufgabe des jüdischen Menschen allen einzelnen Profanfächern ihre religiöse Geltung und Berechtigung abzuleiten, wie die Tora in der Bildung ihre Bewährung, diese in jener ihre Weihe finden kann und soll. Fast Unmögliches an Leistung war damals aus der Begeisterung für die Verwirklichung dieser Konzeption möglich; morgens und nachmittags vereinte die Schule ihre Glieder; bis zu 2 Stunden Talmud täglich (bis 25 Wochenstunden für Religion) wurde bei aller Fülle weltlichen Unterrichts erteilt. Heute nach hundertjährigem pädagogischem Stillstand droht die jüdische Schule ein getreuer Abklatsch der Profanschule mit angeschlossenem Religionsunterricht zu werden. Auch die Religion in der Schule selbst ist uns gefährlich lehrbar geworden; ist rationiert und rationalisiert; es fehlt ihr die Unendlichkeit, die sie dem Leben selbst gleich und überlegen machte, von der der Sänger singt: לכל תכלה ראית* קץ רהבה אמרתך עד מאד, alles ist begrenzt, nur Gottes Wort ist unendlich. Auf jede eventuelle Frage ist die Antwort fertig in der Tasche; alles Ahnungsvolle, Unfassbare, Unaussprechliche fehlt; die Wertmasstäbe sind aus rein empirischer Enge und Nähe geschöpft; und auch der Beruf, der nicht aus Neigung und Anlage, sondern nach andren, wenn auch zuweilen religiösen Rücksichten erfolgt, hat alles Problematische für unsre Jugend verloren. Daher auch wir ärmer und ärmer an religiösen Individualitäten werden. Allen Erziehern aber sei es zugerufen: ich glaube a n religiöse Individualität! An 600000 Juden ist die Tora offenbart worden, איש לפי נחו איש לפי סגנונו, jedem nach seiner Kraft, nach seinem Lebensrythmus. Ich glaube an keine ernstliche Antinomie zwischen Autorität und Freiheit, zwischen Individuum und Gesamtbindung auf jüdischem Boden, weil unsere Lehre wohl heteronom, aber nicht vom Menschen gegeben, sondern vom Schöpfer und Urquell aller differenzierten Individualität

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