Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 107 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Vun den Idealen usw. 107 äie Individualität sich frei ausleben, Menschen mit starkem Willen, ausgeprägter Eigenricatung auf wachsen können. Es soll ein neuer Menschentyp seiD, der hier erzogen wird, mit anderen Freuden, als die effeminierten Kulturmenschen mit ihrem kaufliehen Glücke und unflätigem Geniessertum, mit anderen Wünschen als die sich selbst überstürzenden Unrastigen der Erwerbswelt, mit stillerem, reinerem Gemütsleben, mit stolzem Haupt und starkem Geist, sich selbst hinzugeben im Dienste der Gemeinschaft. Platos Eros erwachte wieder als ein höheres Bindeglied zwischen Alt und Jung, Lehrer und Schüler, wie Plato auch seine Pädagogik an .eiue neue Staats- und Lebensform, eine Idealwelt knüpft. So utopisch dies alles klingt, so hat es doch in einer gewaltigen Form seine Rechtfertigung erfahren: in der modernen Jugendbewegung. Diese gab etwas wie einen neuen Stil des Lebens in der Ueberwindung des Individualismus in einer höheren Brüderlichkeit, in einem Gemeinschaftserlebnis, das nach Spranger ״neues Seelentum bedeutet, in seinem Grundgefühl echt religiös ist, Wesensoffenbarung, IliDgegebensein. Daher auch bei ihr der Führergedanke lebendig wurde, ein aristokratisches Motiv auf genossenschaftlicher, demokratisch-freiheitlicher Grundlage1). ״ Das mag genügen als ein Ueberblick über die pädagogischen Strömungen und ihre Hauptvertreter. Wir mussten manches ganz beiSeite lassen; so die Bestrebungen nach einer künstlerischen Erziehung, die mit den Mitteln der Kunst die Seele zur Wiedergeburt bringen will; so die Bestrebungen, die Bildungsmöglichkeit vom Stand und Besitz unabhängig zu machen und durch Auslese der Begabten alle Fähigen zur Erhöhung der Gesamtkultur einer ihre würdigen Ausbildung zuzuführen. Wohl sind auch diese Motive für das Judentum von höchster Bedeutung; wir haben das .ומהרו בכד עדים שמהם תצא תורד fast vergessen, die grosse Pflicht der Begabtenauslese und Förderung; alljährlich gehen Tausende der jüdischen Wissenschaft, *) Spranger: Erziehung und Kultur. Leipzig 1923 S. 130.