Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 106 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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1C6 Von den Idealen usw. und Wollens ihm ein Gegenwicht zu bieten schien. Seine auf diesen grossen Verzicht gegründete Pädagogik wird darum auch dem berechtigten, echten Verlangen des Menschen nach Selbstentfaltung der Individualität nicht voll gerecht. Aber dafür hat er wie kein anderer vor ihm die erzieherische, versittlichende Macht der Autorität, der Bindung, die unendliche Bedeutung des sittlichen Vorbildes der Heiligen, der Helden der SelbstbezwiDgung, ausgesprochen, und Religion und Tugend, vor allem die Keuschheit als die letzten Faktoren der Persönlichkeitsbildung und Charakteistählur-g erkannt. Darin hat er auch jedem jüdischen Menschen viel, gar viel zu sagen. Seine Werke lesen sich wie Mussarbücher, es sind Bekenntnisse eines Pädagogen, der sich vor Gott und der Menschheit aufs tiefste verantwortlich fühlt. Viel weiter als Kerschensteiner gehen in ihren Forderungen Oestrekher und Wynecken, die Häupter des ״Bundes entschiedener Schulreformer*•. Der Name besagt schon, dass sie auf Kompromisse nicht eingehen, dass sie ganze Arbeit tun, die Uebel der Erziehung an der Wurzel fassen wollen. Eine neue Welt wollen sie dem Zögling schaffen, womöglich das Elternhaus und die ganze kranke Atmosphäre, die sonst das Kind umgeben, ausschalten oder so gut wie wirkungslos machen. Sie wollen eine ״pädagogische Provinz״ gründen, das Kind heraus aus der Stadt in die freie Gottesnatur, in eine Schulgemeinschaft der Einfachheit, gemeinsamen Lebens und Erlebens, gemeinsamer Arbeit in Waid und Feld, in Küche und Haus, gemeinsamen Lernens und geistigen Tuns, der Werkarbeit und künstlerischen Scbauens und Geniessens verpflanzen. Wo solche ganz eigenständige pädagogische Siedlungen nicht möglich sind, da 8011 doch die Schule wenigstens an der Peripherie der Stadt, in unmittelbarer Nähe der jungfräulichen Natur liegen und dort das Kind von früh bis spät verweilen, vom Kindergarten bis zur Hochschulreife, in Sport und Spiel, in Erziehung und Unterricht, in allem, allem mit den Altersgenossen verwachsen. Diese Schulen sollen elastisch sein, nur wenigen obligatorischen gemeinsamen Lehrstoff, aber zahlreiche wahlfreie Kurse haben, in denen allen