Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 103 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den Idealen usw. 103 Wissensbetriebes war nicht Bildung, sondern Einbildung, Tod der Bildung, die immer Selbstbildung ist, Satiigkeit, Trägheit, geistiger Besitzstolz. Sie wurde zur ״ Buch sch ulett: der Lehrer wurde immer mehr äussere Autorität, der Schüler durch zu langwährende sittliche Bevormundung in seiner PersöDÜchkeitsentwicklung gehemmt oder vernichtet. Demgegenüber sind Kerschensteiners Forderungen: 1. Die lediglich autoritative Beziehung von Lehrer und Schüler hat nur als Vorbereitung, nur als Durchgangspunkt eine Berechtigung, sie wird bei der Erkenntnis von der sittlichen und geistigen Ueberlegenbeit de3 Lehrers in ein natürliches Autoritätsgefühl sich verwandeln. Aber mit ihr »muss die Selbstachtung des Zöglings Hand in Hand gehen. Selbstachtung, ein Kind der Freiheit, ist der mit dem pädagogisch wertvollen Autoritätsgefühl verwachsene Zwillingsbruder. Stirbt der eine, so folgt der andere ihm sofort im Tode nach*. 2. Auch das autoritative Lernen kann nur als erste Vorstufe gelten, die hinführt zum experimentellen, selbständigen, aus freier Bejahung des Ziels und selbsttätiger Anwendung der Mittel erfolgenden Lernen. Da aber dieses eigene Verhältnis zum Stoff, diese sittliche Eigenarbeit leichter an der Beherrschung von äusseren Materialien als an geistigen, im Schaffen in Ton und Farben, in Holz und Blech, in künstlerischer Gestaltung erfolgt, so soll diese mit in den Kreis der Schule treten, um die Gemeinschaft der Arbeit früh zu begründen. Das ist der Sinn der Arbeitsschule1) bei Kerschensteiner, die aber letzten Endes ganz unabhängig von Werk- und Handfertigkeitsunterlicht ist, die in jeder Disziplin, jedem Fachgebiet sich auswirkt, wo die sklavische Unselbständigkeit des Schülers gegenüber dem autoritativ an ibn hei an tretenden Kultursloff gebrochen ist und mit innerer Freiheit sich der Schüler seine Aneignung und Meisterung zur Aufgabe macht.!) *Arbeitsschule ist jede Schule, die dem experimentellen Lernen so viel Platz eingeräumt hat, als es ein sinngemäßes Bildung*״ verfahren erlaubt und die damit dem pädagogischen Ereiheiteprinzip Rechnung trägt.“