Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 99 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den Idealen usw. 99 iimere Einheit des Bildungsaufgaben sichergestellt wird; oder tritt das Bildungssubjekt in Abhängigkeit von den Bedürfnissen der Kultur; wird auf sie hingeordnet, und in ihren Prozess einbezogen?“ (Reichwein) Kurz formuliert, heisst das Problem: Hat die Schule die Aufgabe, Wesen heranzubilden, die sich selbst und ihrer Mitwelt eine Kultur zu schaffen fähig sind, oder hat die immer zufällige Augenblickskultur der Umweit das Recht, mit Hilfe der Schule sich Menschen zu erziehen, die ihre Fortträger und Werkzeuge zu sein geeignet werden? Soll das Individuum souverän sein, sich seine Kultur zu formen, oder soll die gerade herrschende Kultur die Individualität der Menschen formen? Die ungeheuer grosse Schwere und Tragweite dieses Dilemmas benimmt dem Pädagogen den Atem. Die Schule der Sowjetrepublik, von der kürzlich in diesen Blättern gehandelt ward, mag ebenso wie die der zusammengebrochenen wilhelminischen Epoche illustrieren, was eine rein soziologische Struktur des Unterrichtsganzen bedeutet. Die weltliche Schule wird wohl immer, wenn sie ihrer sittlichen Grundlage sich bewusst ist, einen Kompromiss versuchen; aber immer wird auch die brutale Macht der Gegenwartskultur, der Augenblicksforderung jener soziologischen Einstellung zum Siege verhelfen. Sie abzulehnen, bedeutet für den Erzieher die grosse Verantwortung und Gefahr, dass der rein auf sich selbst gestellte Zögling, lebensuntüchtig und weltfremd, sich verliere und vom Leben überrannt werde. Wer traut den Mut sich zu, so starke Persönlichkeiten zu erziehen, dass sie aller Gegebenheiten Herr werden? Die Gegenwart und ihre Aufgaben kennen wir, wer will für die Unbestimmtheit eines Zukunftszieles die Jugend zu ertüchtigen sich vermessen? Wenn es aber eine Ewigkeitskultur gibt, wenn es, wie es dem Juden die herrlichste und glückvollste Gewissheit seines Lebens ist, ein ״Endziel“, ein ewig u n z ei t g e in ä s s e 8 überzeitliches Entwicklungsletztes gibt, darin alle Differenzierung und Individualität