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Jeschurun · 1925-03-01 · Heft 3-4 (März 1925) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 3-4 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 98 (sequence 8)
Language
German
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98 Von den Idealen usw. Was zunächst mehr oder weniger alle mit Tolstoi und Key verbindet, das ist die höhere Ehrfurcht von dem zu erziehenden Wesen in seiner Eigengesetzlichkeit, seiner Individualität. Dazu hat der Fortschritt der differentiellen Psychologie erheblich beigetragen, die eine Seelenkunde des Kindes, der Jugend, des Jünglings in bisher ungeahnter Weise entwickelte und zeigte, dass wir nicht berechtigt sind, die Masstäbe unseres Seelenlebens an die Zöglinge anzulegen, sondern die feine, zarte Eigenart und Andersartigkeit ihres Innenlebens berücksichtigen müssen. Es gibt etwas, selbst in jedem Kinde, was geschont, respektiert werden muss, etwas Heiliges, Grosses, was nicht angeta3tet werden darf. Wieviel Gewaltsamkeit haben wir nicht unseren Schülern angetan, weil wir sie als uns gleich voraussetzten, wie oft haben wir das Edelste in ihnen beleidigt und missverstanden, weil wir die besonderen Strukturverhältnisse ihrer Psyche nicht erkannt hatten. Wenn also heute auch kein ״ Jahrhundert des Kindes״, wie Ellen Key das Schlag wort prägte, zu herrschen braucht, so doch auch nicht nur ein Zeitalter der Erwachsenen, sondern eine Epoche, in der die verschiedenen Generationen in Eigengesetzlichkeit neben- und miteinander leben dürfen und sich entfalten sollen. Bis zu Ende gedacht, führt diese andere psychologische Einstellung auf ein Grundproblem der Pädagogik, auf die Frage: ist die Erziehung des Kindes vom Standpunkt des Erziehers, einer objektiven Kultur und Wissenschaft, in die der Einzelne später eingegliedert wird, bestimmt, oder ist sie Y0m Kind aus jedesmal neu zu regeln, von seiaen Anlagen, Neigungen, Fähigkeiten, seiner Selbstbestimmuog aus. Die gesamte pädagogische Zielsetzung wird von dieser Fragestellung betroffen; aber auch die Methodik, das Vorgehen des Lehrers ist wesentlich verschieden, ob sie aus dem Stoffziel, das sich allgemeingültig darbietet, genommen werden, oder aus der Kindesindividualität, das nur zu seiner Selbstentfaltung irgend welche, natürlich möglichst geeignete Stoffe verlangt. ״Ist, der Ausgangspunkt in dem Bildungssubjekt zu suchen und die Kultur zu blossem Bildungsstoff herabzusetzen, wodurch anscheinend die

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