Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 96 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Von den Idealen usw. so behaglich breit, wie in der streberischen Atmosphäre der Schule. Rückwirkend habe die Schule auch die Eltern verdorben, die sie in das Fieber des Erfolgerraffens, der Ver- Setzungen und Belohnungen, des jagenden Ehrgeizes für ihre Bonder mithineinriss, die schliesslich ihre häusliche Erziehungsaufgabe in nichts anderem erblickten, als ihre Bonder zu wiilig6n Opfern des nimmersatten Schulmolochs zu machen. Die Männer und Frauen, die diese Anklagen erhoben, die z. T. abseits der Schulhierarchie standen, waren — das muss man bekennen — in der Tat von hohen Idealen erfüllt, vom Sehnen nach einer neueren besseren Menschheit; sie rangen mit den letzten Fragen des sittlichen Seins überhaupt. Seitdem Rousseau im Erziehungsroman ״Emil“ seiner entarteten Mitwelt in der Sehnsucht nach wahrer, seelenerfüllter Lebensgestaltung die Abkehr von der herrschenden Kultur und die Rückkehr zur Natur gepredigt, seit Fichte dem politisch zusammengebrochenen Deutschland in den ״Reden an die deutsche Nation״ in dem Ich der sittlichen Freiheit, das sich selbst seine Welt, sein Nichtich erzeugt, eine neue Persönlichkeitserziehung dargestellt, war niemals tiefer der Menschheit ganzer sittlicher Jammer auf-״ gerührt und empfunden worden, wie bei denen, welche die neuen pädagogischen Ideen in der Gegenwart verkündet haben. Sie hoben an bei den letzten Wurzeln der sittlichen Kultur und stellten mit unerhörter Energie Entscheidungsfragen auf: die Probleme von Autorität und Freiheit, von In־ dividualität und Gemeinschaft, von Menschen־ recht und gesellschaftlicher Bindung, vom SinndesLebens und letzterDaseinsgestaltung, von Charakter und Weltanschauung. Es ist klar, dass alle diese Probleme in die Urgründe philosophischen Denkens hinabreichen, dass also alle Lösungsversuche Auseinander־ Setzungen mit dem Ganzen der Kultur, der Gesamteinstellung zu den höchsten Fragen des Menschen notwendig machen. Das kann unmöglich Aufgabe dieses Referats sein. Aber schon die Nennung der pädagogischen Probleme und Fragestellung lädt