Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 95 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den Idoalen u^w. 95 Prüfung der Grundfragen brachte. Denn diese Konzentration und diese Aufzehrung aller Kraft in der Methodik wurde ein charakteristischer Ausdruck der Zeit; sie war eine echte Erseheiming der Mechanisierung des Geistigen geworden, der absoluten Rationalisierung aller Erziehungsäufgaben und - Mächte, einer Intellektaalisierung und Erstarrung, die man als Symptome des Untergangs für das Abendland hingestellt hatte. Die Schule mit ihrer methodischen Unfehlbarkeit und Sicherheit wurde mit einem Male als Hauptschuldiger an dem Grundgebrechen der Zeit hingestellt: dass das geistige Leben seine Unmittelbarkeit, seine schöpferische Tiefe verloren habe, dass die Menschen ihren Persönlichkeitswert eingebüsst hätten, die Kraft autonomer, sittlicher und geistiger Selbstbestimmung ihnen geraubt, der unerschöpfliche Reichtum des Seelenlebens automatisiert, verbildet, verkrüppelt und ertötet sei; dass das Ich, dieses letzte Unauflösbare, Geheimnisvolle, darin jeder Mensch eben sein ihm eigenstes Teil, seine Gottesebenbildlichkeit, den Hauch göttlichen Lebens trägt, dass dieses Ich jedes Einzelnen, sein Adel und sein Wesenssiegel, in die Fesseln einer abstumpfenden, gleichmacherisehen Wissensfülle geschlagen worden und dadurch um die Fähigkeit zur Selbstentfaltung betrogen worden sei. Mit einem Male erschien die Kultur arm, das Leben dürftig und schal; weil ihr eines fehlte, bei aller Aufklärerei, allem Fortschritt der äusseren Welt- und Stoffbeherrschung — das Irrationale, das Grosse, das Schöpferische, die Beseeligung reicher Individualität, der selbstständige grosse Mensch, die Naturgewachsenheit des Ich, der Zusammenhang mit den letzten Quellen des Seins, die jenseits aller Erfahrung und Erforschung liegen. Die Schule mit all den vermittelten geistigen Fähigkeiten und Schätzen, mit ihren Berechtigungen und Leistungen, wurde geradezu der Immoralität angeklagt; die ganze UnWahrhaftigkeit, die man in der Kulturwelt selbst als ein schleichendes Gift schaudernd erkannte, sollte in ihren Räumen grossgezogen werden, denn nirgends werde soviel gelogen, wie zwischen Lehrer und Schüler, nirgends mache sich der krasse Egoismus