Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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Dir* G־.׳s‘a;t dos JiuUu Shvlock Sn dem biblischen Eibfeiiid unseres Volkes, ein Vergleich, gegen den sich mein tiefstes Empfinden aufichnt. Einen Dienter-Genias wie Shakespeare in eine Parallele mit dem käuflichen Bileam gesetzt zu sehen, rnit dem falschen Propheten Bileam, der gegen Bezahlung dort fluchen will, wo er anbetenö rdedersinken sollte — diese Parallele muss jedem Shakespeare-Bewunderer in der Seele weh tun. Unter dem Bann dieses stark rhetorischen Gleichnisses steht C. im ganzen Verlauf seiner Darb guu2. Sie verführt ihn zu schroffen Urteilen über den Judenfeind Shakespeare und benimmt ihm den Blick für Mass und Zulässigkeit seiner Behauptungen üter den grössten Dramatiker aller Zehen. 0. arbeitet allzulcicht mit starken Weiten: -Z w e i f e 11 o s ') war in Shakespeares Augen der Raub eines Judennaädchens eine 7er• dienstliche Tat1)“ . . . . ״Zweifellos1) war in Shakespeares Augen nur die Rache an einem Christen etwa3 Verwerfliches1); die an einem Jaden verübte grausamste Grausamkeit1) aber nicht nur kein 51a!: el, sondern -sittlich rühmenswert1)“. ״Zweifellos“, ein lapidares Wort! Als ob wir bei Shakespeare, dem objektivsten aller Menschenbildner, wüssten, was ״in seinen Augen“ moralisch-unmoralisch, sittlichverwerflich, verdienstlich, religiös, verdienstlos gewesen! ״Zweifellos* heisst: unbestreitbar, objektiv-erwiesen. Nud, mit Verlaub! es gibt noch Zweifler an dieser Meinung: bedeutende Geister wie Heine, wie Dr. S a m u e 1 Johnson (der gefürchtetsie englische Kriu-er des XVII! Jahrhunderts und eigentliche Xeuentdecker Shakespeares; s. dessen Vorrede zum ״Merch. of Yeciee“: The Moral of the plav) und noch viele andere neuere Erklärer, die in Shakespeare durchaus nicht den einseitigen Verherrlicher der Christen weit und den Verächtlichmacher des jüdischen Volkes erblicken־-'). Einer 1) von mir gesperrt. ־) Heine (Shaks.'s Mädchen und Frauen über ״Jt-ssica“) sagt zuerst: Shakosp. hegte vielleicht die Absicht, zur Krgötzung des grossen Haulens einen gedrillten Werwol! darzustelien . . . Aber was sage ich? Der Genius des Shakespeare erhebt sich noch uner der» Kleinhader zweier G ■aubeDsparieien. und sein I'rama zeigt uns wed^r Juden noch Christen, sondern Unterdrücker und L nt erdrückte etc. ...\on Religionsverschiedenheit en ist in diesem Stück nicht die geringste Spur.