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Jeschurun · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 76 (sequence 76)
Language
German
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6ד Die jüdische Geschichte usw. Die an die Unterdrückung gewohnten deutschen Juden des fünfzehnten Jahrhunderts nahmen jedes neue Unheil still hin, nur flehten sie inbrünstig zu ihrem Gtt um baldige Erlösung. In Spanien wollte man auch jetzt noch nicht glauben, dass die Zeiten des Glückes unwiederbringlich dahin seien. Von Mord und Verfolgung bedroht, gelang es immer wieder einzelnen Juden und vielen Marranen, Reichtum zu erwerben und hohe Staatsämter zu bekleiden, Erfolge, die ihnen selbst wie ihren Brüdern seitens der neidischen und von fanatischen Priesten aufgehetzten Bevölkerung neue Gefahren brachten. Das Jahr 1481 gab der Welt die Schmach des ersten Autodafes. Nach dem fluchbeladenen Wüten des Torquemada und seiner Mordgesellen verliert der Schlussakt der Tragödie an Furchtbarkeit. Am 9. Ab des Jahres 1492 mussten 300 000 Juden Spanien verlassen, einem schrecklichen Geschicke des Elends entgegen gehend. Jeder der Vertriebenen hätte sich durch ein Wort der Lüge retten können; sie blieben aber ihrem Gtte treu. im tiefsten Unglück boten diese dreihunderttausend Auswanderer ein leuchtendes Beispiel für ״Kiddusch Haschern*, für die Heiligung des gttlichen Namens. Wie ihr geistiger Führer Don Isaak Abarbanel, der grosse ßibelexeget und Staatsmann, zeigen sie sich im Unglück noch grösser als im Glück. Vor der Wahl stehend, mit Verleugnung ihres Glaubens Ehre und Reichtum zu erkaufen oder alles aufzugebea, was sie an sozialen und wirtschaftlichen Gütern besessen hatten, ergreifen sie den Wanderstab, einer ungewissen Zukunft entgegenzugehen. Das Volk Gttes weiss freiwillig auf das zu verzichten, was anderen Nationen höchste Werte sind, wenn es sich darum handelt, den Namen Gttes zu heiligen. Dreihunderttausend Juden Spaniens ziehen dahin als Künder der Gttesherrsehaft auf Erden: Fanatische Beschränktheit und Despotismus der Machthaber können Unglück über Israel bringen, können Glück und Leben von Tausenden vernichten, stärker aber ist der unüberwindliche Glaube an Gtt, den Weltenschöpfer und Leiter der Menschheitsgesehicbte. (Schluss folgt )

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