Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Di«' jüdische Geschichte usw. 75 Gebliebenen um ihre ganze Existenz führten, sowie in «lern krampfhaften Streben der im glänzenden Elend stets von Tod und Schmach bedrohten Marranen, innerlich die Beziehungen zürn Giauben der Väter zu erhalten und ihn in das Herz ihrer Kinder einzupüanztn — Wie intensiv das Geistesleben der spanischen Juden auch in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts und im fünfzehnten war, beweisen die talmudischen Werke des K. Nissim Gerundi, des ״Ranu, und die philosophischen Schriften von Männern wie Chisdai Crescas und Josef Albo. — Unter den vielen Ausnahmegesetzen, mit denen man den aschkenasischen Juden das Leben verbitterte, wirkten am verhängnisvollsten das Verbot, landwirtschaftlichen Grundbesitz zu haben, und die vielen Beschränkungen, die ihnen bei Ausübung von Handel und Handwerk auferlegt wurden. Hierdurch zwang mein sie zum Geldhandel und dem mit ihm so eng verbundenen* Wucher. In widerwärtigster Weise wurden sie hierbei von kirchlichen und weltlichen Fürsten missbraucht, die sie durch besondere Privilegien und unerträgliche Steuern nötigten, die Bevölkerung durch Wucherzinsen auszusaugen, um die Habsucht der Machthaber zu befriedigen. So vereinigte sich mit dem religiösen Fanatismus noch der soziale Hass der unter dem Zinsdruck leidenden Bevölkerung, die es nicht verstand, wer die eigentlichen Ausbeuter waren. — Die politische Gescnichte der Juden des dreizehnten, vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts ist ein einziges Martyrium, nur selten von besseren Zeiten unterbrochen. Aus England bereits 1290 vertrieben, in Deutschland und Frankreich durch die schaurigen Niedermetzelungen zur Zeit des ״schwarzen Todes“ (134b) dezimiert, ja Spanien bei den Verfolgungen nach den Bluttagen von Sevilla (1391) zu Tausenden dahingemordet, dann 1394 aus dem eigentlichen Frankreich endgiltig verjagt, in Deutschland bald hier, bald dort gefoltert und dahingeschlachtet, so war an ihnen buchstäblich jener furchtbare Fluch in Erfüllung gegangen: ״Dein Leben wird dir nur schwebend erscheinen, Tag uud Nacht wirst du beben und nicht an dein Leben glauben״־.