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Jeschurun · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 74 (sequence 74)
Language
German
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74 Die jüdische Geschichte usw. seit Jahrhunderten verdankte. — Beider! Gesichtspunkten suchte R. Salomo ben Aderet gerecht zu werden, als er im Jahre 1005 für die Dauer eines halben Jahrhunderts durch Bannspruch untersagte, vor Beendigung des fünfundzwanzigsten Lebensjahres philosophische Schriften zu lesen. Es war ein schwerer Schritt, durch die Not der Zeit veranlasst und verständlich, den die erste talmudische Autorität Spaniens damals unternahm. Es war eine gewaltige Tat der Selbstbeschränkung um der Selbsterhaltung willen. — Von anderer Seite wurde die rationalistische Philo- Sophie durch die Verbreitung der Kabbala bekämpft. Besonders seit der Veröffentlichung des Sohar durch R. Mose de Leon begann das Studium der Kabbala in weitere Kreise einzudringen. Wie so oft im Geistesleben aller Völker trat auch bei den spanischen Juden als Gegenwirkung des Rationalismus eine Sehnsucht nach Gtiinnigkeit ein. Das von dem erkaltenden Intellekt so oft zurückgedrängte Gefühl und das heisse Streben, dem Urgrund alles Seins sich auch da und gerade da zu nähern, wo der kühl abwägende Verstand keine Antwort weiss und deshalb leugnen mochte, forderten ihr Recht. So verlor auch im spanischen Judentum die Philosophie immer mehr von ihrer Bedeutung. Hierdurch begann der Unterschied zwischen dem spanischen und mitteleuropäischen Kuiturkreise an einem wesentliehen Punkte schwächer zu werden. Von grösster Bedeutung lür die Annäherung war die Uebersiedelung des R. Ascher ben Jechiel,. des ״Rösch,״ von Deutschland Dach Spanien. Er und sein Sohn R. Jakob, der Verfasser der ״Arba Turim־־ bilden auf talmudischem und halachischem Gebiete die Vereinigung der kritischen Einzelforschung der Tosafisten und der spanischen Systematik. Auch das äussere Geschick der Juden des christlich gewordenen Spanien gleicht sich — mit Ausnahme vorübergehender freundlicherer Phasen — immer mehr dem ihrer Brüder in West- und Mitteleuropa an. Doch wird es den in sozialer Hinsicht viel verwöhnteren Sefardim bedeutend schwerer, sich der Knebelung zu fügen. Eine besondere Tragik der jüdischen Geschichte Spaniens liegt in dem Verzweiflungskampfe, den die ihrem Glauben treu

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