Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Geschichte u3w. 73 Aufbören ihrer einst so günstigen politischen Lage. Der Hass der Päpste und besonders die Verfolgungssucht der Dominikaner zwang auch besser gesinnte Könige zu immer schärferem Vorgehen gegen die Juden. Zu den Feinden gesellten sich noch Renegaten, deren Streben dahin g'mg, die ehemaligen Glaubensbrüder ebenfalls zum Christentum zu bekehren. Durch die christlichen Fürsten zwangen sie die Juden zu Glaubensdisputationen. Wenn es auch hervorragenden Gelehrten wie R. Mose ben Nachmaon gelang, trotz ungleicher Waffen den von Staat und Kirche geschützten Gegner zurückzuweisen, so half dieses ihnen nichts, vermehrte eher noch den Hass der in ihrer Hoffnung getäuschten Gegner. Das Geistesleben der Juden, besonders in Spanien und der Provence, wurde seit dem Auftreten des Maimonides durch den Kampf um seine Schriften beherrscht. So verständlich der Streit war und wie rein die Motive auf beiden Seiten gewesen sein mochten, er teilte das Schicksal so vieler Geisteskämpfe, allmählich in Feindschaft und Gehässigkeit auszuarten. Wohl hatte die Einmischung des Inquisitionsgerichtes der Dominikaner allen Einsichtigen die Gefahren dieses Kampfes gezeigt. Aber der Gegensatz zwischen Anhängern und Feinden des philosophischen Studiums wirkte fort. Die Gefahren der philosophischen Studien waren ja unverkennbar. Nur zu leicht konnten sie die Brücke zur christlichen Scholastik schlagen, in einer Zeit, da seitens der philosophisch gebildeten Dominikaner die grössten Anstrengungen gemacht wurden, den von aussen her mit allen Mitteln der Gewalt geführten Kampf gegen die Judenbeit auch auf geistigem Gebiete gegen das Judentum zu führen. Mehr als je tat dem jüdischen Volk der selbstverständliche, hingebungsvolle Glaube an das Gttesgesetz not. Rationalistische Untersuchungen und auch scholastisches Philosophieren der Jugend konnten in gleicher Weise die Grundlagen des Glaubens unterhöhlen. Andererseits war es aber schwer, auf das Studium der Philosophie zu verzichten, all das Wertvolle aufzugeben, welches man ihm