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Jeschurun · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 72 (sequence 72)
Language
German
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arapgagess 72 Die jüdische Geschichte usw. steht aber unübertroffen da. Dieser heldenhaften Treue verdankt die heutige aschkenasische Judenbeit ihr Dasein. Lange Zeit erfreuten sich die Juden Spaniens eines froheren Geschickes als ihre Brüder im christlichen Europa. Wohl hatten sie auch unter mohammedanischer Herrschaft nicht nur glückliehe Tage. Bereits im elften und zwölften Jahrhundert waren sie nicht gänzlich von Heimsuchungen verschont. Musste doch auch Maimonides wegen der Bedrückung seitens der fanatischen Almohaden sein Heimatland verlassen. Zeitweise suchten die Juden Spaniens vor den Verfolgungen einzelner islamischer Fürsten Schutz in den sich allmählich neu bildenden christlichen Staaten der Halbinsel, wo sie zuerst sich grösster Freiheiten erfreu tem Der Anfang des dreizehnten Jahrhunderts ist für die Juden Spaniens wie des ganzen katholischen Europa der Beginn jener furchtbaren Periode, da man nicht nur suchte, sie planmässig ganz zu entrechten, sondern auch ihnen in den Augen der Umweit die Menschenwürde zu rauben. Fast noch schlimmer als der spontane Ausbruch des Volkshasses und des rohen Fanatismus, dem so oft Tausende von jüdischen Menschenleben zum Opfer gefallen sind, waren die mit bösem Vorbedacht sorgsam ausgeklügelten Judenverordnungen des Laterankonzils des Jahres 1215. Die gehässigste war die Bestimmung, dass jeder Jude an seiner Kleidung ein besonderes Abzeichen tragen müsse, um so von der anderen Bevölkerung unterschieden zu sein. Der Zweck, der nur zu oft erreicht wurde, war. den Juden in den Augen des Volkes herabzusetzen, alle bösen Instinkte des Hasses und der Verachtung gegen ihn aufzustacheln. Mehr als ein halbes Jahrtausend hindurch hat der gelbe Fleck, dieses Schandmal des christlichen Europa, seine Wirkung gehabt. Dass er den Juden nicht die Selbstachtung nahm, ist ein Zeichen der inneren Würde der Nation, die auf den Gassen zum Gespött pöbelhafter Volksmassen und Fürsten wurde, im Heiligtum der eigenen Familie und Gemeinde aber Königssohn blieb. Das ständige Vordringen der Christen auf der Pyrenäenhalbinsel bedeutete für die spanischen Juden ein allmähliches

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