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Jeschurun · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 70 (sequence 70)
Language
German
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סד Die jüdische Geschichte u8w. Rehen Völker des Mittelalters machen es verständlich, dass die Juden in Nordfrankreich und Deutschland verhältnismässig sehr wenig vom geistigen Leben ihrer Wirtsvölker beeinflusst wurden und sich im weit höherem Masse auf das Studium von Bibel und Talmud konzentrierten als ihre Brüder in Spanien. Von rohen Verfolgern gepeinigt, von aufgestachelten Pöbelmassen gequält und verhöhnt, war den deutschen und französischen Juden des Mittelalters das liebevolle Sichversenken in die Kulturschätze von Bibel und Talmud die seelische und intellektuelle Rettung. Sie haben sie reichlich vergolten durch eine beispiellose Hingabe an die Talmudforscbung. Was hier im Laufe der Jahrhunderte durch viele Tausende von Gelehrten geleistet wurde, dürfte unerreicht dastehen in der Geschichte der Weltliteratur. In seiner ganzen umfassenden Breite wurde er durchforscht; bis in die tiefsten Tiefen der Geistesschächte jüdischer Ueberlieferung stieg man, um die herrlichsten Lehren des Gtlesgesetzes zu Tage zu fördern. Zur gleichen Zeit, da unter Spaniens glücklicherem Himmel ein Samuel Hanagid der Stolz seines Volkes war, wirkte am Rhein R. Gerschoin sMeor Hagola״, die Leuchte des Exils, seinen verfolgten Brüdern Stütze und Tröster, seinen Schülern bahnbrechender Wegweiser auf den verschlungenen Pfaden des Talmuds. Die Hochschulen Nordfrankreichs und Westdeutschlands bevölkerten sich mit Tausenden von Schülern und Gelehrten. Als die Sonne im Osten, im fernen Babel sich neigte, da erstrahlte sie im Westen. Zur Zeit, da in Pumbedita die Hochburg jüdischen Geistes niedersank, ward in der Champagne R. Salomo ben Isaak, Rasehi, geboren. Er i3t für alle Zeiten und alle Länder der Kommentator von Tora und Talmud geworden. Genialer Scharfsinn und intuitives Verständnis der Zusammenhänge vereinigten sich bei ihm mit pädagogischer Meisterschaft. So ward er der Lehrer seines Volkes, den Gelehrten Pfadfinder, der Allgemeinheit Erschliesser und Erklärer des heiligen Schrifttums. — Die nächsten Generationen stehen ganz unter Raschi’s Einfluss. Seine Kommentare sind die Grundläge für die Forschertätigkeit der Tosafisten. In ihren kritischen

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