Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293034-2293036--07443-2300725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die j ft di sehe Geschichte uaw. 6^ er hier fand, und durch den Einfluss, den er auf seine Schüler übte, dem spanisch-jüdischen Kulturkreisean. EineZusammenfassungaller intellektuellen Kräfte des spanischen Judentums dieser Periode bietetuns diePersönlichkeit des Rabbi Mose ben Maimun, des ״Rambam״. Ausgerüstet mitderumfassendstenKenntnisdertalmudischen Ueberlieferung und der arabischen Kultur seiner Zeit, vor allem aber mit der Klarheit des Denkens, wie sie nur den Auserwähltesten der Menschheit beschiedem ist, ward er der grösste Systematiker der Halacha, deren gewaltigen, unübersehbar scheinenden Stoff er mit Meisterhand zu einem organischen Ganzen zu gestalten ,wusste, ihn bis in die feinsten Einzelheiten durchdringend, nie den Blick für den grossen Zusammenhang verlierend. Seit Bibel und Talmud hat die jüdische Literatur kein Werk besessen wie des Maimonides ,Mischne Tora*. Und nie hat ein jüdischer Denker die Auseinandersetzung zwischen Glauben und Philosophie in systematischerer Weise dargetan als der Verfasser des ,Führers der Irrenden״. Ein Wegweiser für da3 philosophische Denken ist er Tausenden von Gläubigen geworden zu allen Zeiten und in allen Ländern. Nicht immer führte er aus der Irre. Manch Leser ward mehr angeregt als befriedigt; die Zahl der Gegner des ,More״ war zuweilen grösser als die seiner Freunde. Und auch von diesen sind nicht alle restlos dem Führer gefolgt. Aber trotz und wegen der Kämpfe, die in der ganzeD jüdischen Welt um den ,More“ sich erhoben, ist er der ,wertvollste Anreger geblieben zum Nachdenken über die tiefsten Probleme des Verhältnisses des Juden zum Gttesgesetze und überhaupt des gläubigen!Menschen zu seinem Gtte. Weit über die Sphäre des jüdischen Volkes und über die Jahrzehnte seines Lebens ist Maimonides — wenn auch oft nur mittelbar - ein Wegweiser der glaubenstreuen Philosophie geworden für zahllose Denker aller Völker. Während das spanische Judentum seine Blütezeit sehr wesentlich glücklichen politischen Verhältnissen verdankt, fallt das regste Geistesleben der nordfranzösiscben und deutschen Juden grösstenteils in die Zeiten schwerer Verfolgungen. Diese Tatsache, sowie der allgemeine kulturelle Tiefstand der Christ-