Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293034-2293036--07442-2300724- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■aosass! Die jüdische Geschichte 115w. t<S Lahmen die Juden reichlichen Anteil. Ihre günstige politische und wirtschaftliche Lage als Mittler zwischen den unterworfenen Westgoten und den arabischen Eroberern kam ihnen in jeder Weise zu statten. Die Blütezeit des jüdisch-spanischen Geisteslebens beginnt in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts unter Einfluss des allseitig hochgebildeten jüdischen Staatsmannes Chisdai ibn Schaprut, um dann im elften und zwölften Jahrhundert ihren Höhepunkt zu erreichen. Die fast einzigartige Gestalt des Samuel Hanagid, des jüdischen und arabischen Gelehrten, des Staatsmannes und Feldberrn, der zwischen den Schlachten Gedichte und talmudische Abhandlungen von dauernder Bedeutung geschrieben, ist uns ein Idealbild jener glücklichen Epoche. Gottbegnadete Dichter und Philosophen wie Salomo ihn Gabirol und Jehuda Halevi schufen der jüdischen und der Weltliteratur Werke von Ewigkeitswert, durchglüht von jüdischem Geist und genährt von der Weisheit jüdischer, hellenischer und arabischer Denker. Man fühlt geradezu das aufkeimende Geistesleben auf allen Gebieten des Wissens. In bisher unbekannter Weise beschäftigt man sich mit Grammatik und Exegese, mit Mathematik und Astronomie. Namen wie Menachem ben Saruk und Chajug, Jona ibn Ganach und Abraham ibn Esra sind ein Beweis für den wissenschaftlichen Geist, der die spanischen Juden dieser Eo it beherrschte, und der auf dem Gebiete der Bibelforschung noch heute von grösster Bedeutung ist. Unverkennbar bildeten aber Talmud und ilalacha die Grundlage alles jüdischen Geisteslebens. Unlösbar verbunden ist die so vielseitig sich aus wirkende jüdische Wissenschaft mit der Forschung und Ueberlieferung von Sura und Pumbedita. In überragender Grösse erscheint uns die gewaltige Gestalt des R. Isaak Alfasi. Mit seiner souveränen Beherrschung des Talmuds in Breite und Tiefe schuf er dem jüdischen Volke den halachischen Auszug aus dem ,Meere des Talmuds“, der eine der wichtigsten Grundlagen der systematischen Halachaforschucg geworden ist. Wenn auch Alfasi sein umfassendes Wissen sich in seiner marokkanischen Heimat angeeignet hat und erst als Greis nach Spanien kam, so gehört er doch durch die allgemeine Anerkennung und Verehrung, die