Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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66 Die jüdische Geschichte usw. ״Emunot we Deot״ ist Saadja philosophischer Führer für Zeitgenosseo und viele spatere Generationen geworden. * Uns ist er — weniger durch dies was er uns heute an tatsächlichen Leistungen bietet, als durch die Richtung seines Geistes Prototyp des talmudisch gebildeten, strenggläubigen Philosophen, der nicht nach Kompromiss sondern nach Synthese zwischen Glauben und Wissen strebt. Mit Saadja tritt nicht ein einzelner jüdischer Gelehrter in die Arena der Geisteskämpfe der allgemeinen Kulturwelt, sondern das Judentum nimmt durch einen seiner höchsten Vertreter an dem Ringen der arabischen Philosophie teil. Wenn Saadja sein Werk in arabischer Sprache schrieb, so beweist dies, wie auch die jüdisch-babylonischen Gelehrtenkreise mit arabischer Sprache und Kultur verbunden waren. Gerade weil jetzt die geistige Vorherrschaft Babyloniens zu Lüde ging und innerhalb der islamischen Lander Spanien allmählich seine Stellung einnahm, ist es von so grosser Wichtigkeit, dass die philosophischen Studien auf alttalmudischem Boden durch einen Saadja vertreten wurden und nicht erst in talmudisehem Neuland begannen. So bedeutete philosophisches Studium keine Loslösung von nur schwachem jüdischen Geistesleben, sondern erschien von vornherein in engster Verbindung mit talmudisehem Wissen und Empfinden, und die wissenschädliche Bibel Forschung der hervorragenden jüdischen Grammatiker und Exegeten des ganzen arabischen Kulturkreises betrachtete ihre enge Gebundenheit an die jüdische Ueberlieferung und Weltanschauung als selbstverständlich. Die sieben Jahrhunderte babylonischer Geistesherrschaft waren eine gute Schule für das jüdische Volk. Durchdrungen von talmudisehem Denken und Fühlen konnte es jetzt ohne Gefahr der Selbstaufgabe am Geistesieben der Völker teilnehmen, selbst von diesem gefördert und ihm dafür durch jüdische Weltanschauung immer wieder den Weg zur Gottheit weisend, auf dem Gebiete des Intellektes wie. der Ethik.