Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 65

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 65 (sequence 65)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2293034-2293036--07439-2300721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die jüdische Geschichte usw. 65 Anhänger allmählich ganz aus der jüdischen Volksgemeinschaft zu stossen ist, ist ein Beweis, wie stark die talmudische Er- Ziehung die Judenheit beherrschte. Durch sie war die jüdische Ueberlieferung so fest in der Nation verankert, dass weder Angriffe von innen noch von aussen sie erschüttern konnten. Pumbedita und Sura waren Hochburgen der talmudischen Studien, und aus den Reihen der Schüler erstand Jahrhunderte hindurch reichlicher Nachwuchs. Bis zum Ende des neunten Jahrhunderts war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Geonini aus den Hochschulen hervorgingen und für die Wahl eines Gaon neben der Schärfe seines Verstandes die umfassenden talmudischen Kenntnisse massgebend waren. Mit der Berufung Saadja's ben Josef aus Fajum zum Gaon der Suranischen Hochschule beginnt in mehrfacher Hinsicht eine neue Phase der jüdischen Geschichte. Die Tatsache, dass ein ägyptischer Gelehrter Gaon wird, bedeutet eia Aufhören der bisherigen Suprematie Babyloniens Noch wesentlicher aber ist es, dass Saadja's Grösse nicht lediglich in seinem talmudischen Wissen lag, sondern gleichzeitig in seiner selbständigen Bibelforschung und seiner philosophischen Bildung. Dass man solchen Mann wählen konnte und wählen musste, dass seine Wahl — trotz aller innerpolitischen Konflikte mit dem Exilarchen — eine, wenn auch letzte, Blütezeit der von Rab begründeten Akademie hervorrief, ist ein Zeichen für die Bedeutung, welche selbständiges Forschen in der Bibel, noch mehr aber, welche die Philosophie für das jüdische Babylonien gewonnen hatte. Wie einst in Alexandrien so wetteiferten jetzt jüdische Gelehrte mit nichtjüdischen in philosophischen״Studien. Doch während die Alexandrinischen Juden ihr Eindringen in die Philosophie mit Entfremdung vom Judentum erkauft hatten, wurde in Bagdad die Gesamtheit der babylonischen Judenheit durch die Zusammenarbeit mit der nicb!jüdischen Geistes weit nicht geschädigt. Die Jahrhunderte alte talmudische Schulung gab ihr einen ganz anderen Halt, als ihn ein Philo besessen hatte. Auch war selbst der freigeistige arabische Philosoph weit mehr religiös orientiert als die Griechen Aegyptens. Durch seine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.