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Jeschurun · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 64 (sequence 64)
Language
German
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64 Die jüdische Geschichte usw. Wenn auch die politische Lage der babylonischen Juden bedeutend günstiger war als die ihrer Brüder im Westen, so Mi eben auch sie nicht von Verfolgungen bewahrt. Doch konnte trotz solcher Störungen in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts das Riesenwerk des Talmuds abgeschlossen werden. Und der hingebungsvollen Liebe der Saboraim gelang es in Zeiten schwerer Heimsuchungen durch feindlich gesinnte persische Könige und Statthalter, uns die endgiitigen Talmudtexte zu geben, wie sie mit verhältnismassig geringen Abweichungen Gemeingut des jüdischen Volkes geworden sind. Das Geistesleben des jüdischen Babylonien hatte sich mit Fertigstellung des Talmud keineswegs erschöpft. Die beiden Hochschulen von Pumbedita und Sura waren noch für Jahrhunderte Mittelpunkte der jüdischen Kultur nicht nur des Ostens, sondern der Gesamtjudenheit. Die Geonim, unterstützt von den anderen Gelehrten der beiden Hochschulen, waren die Autoritäten des Judentums, wie es ihre zahllosen Gutachten an alle Länder der Diaspora beweisen. Der Islam, der um die Mitte des siebenten Jahrhunderts den Orient eroberte, erkannte die jüdische Religion an und liess den Juden im wesentlichen die Rechte, welche sie unter den besten persischen Herrschern besessen hatten. Neben den intensiven talmudischen Forschungen wandte man sich auch der Bibelexegese und der Grammatik zu. Gefördert wurden diese Studien durch den Kampf gegen die Karäer, die Anhänger des Anan oen David. Mit voller Wucht wandten sich diese gegen die im Talmud festgelegte mündliche Tradition und suchten sie durch selbständige Erklärungen der Bibel zu entkräften. Der Gegensatz zwischen den Karäern und den Rabbaniten, den Anhängern des rabbinisehen Judentums, ist geistig verwandt mit dem Streite der Sehnten, der Feinde der mündlichen Ueberlieferung im Islam, gegen die Sunniten, die Anhänger derselben. Denn an dem sich so reich entwickelnden islamitischen Kulturleben hatten auch die Juden Anteil. Gebend und nehmend beteiligten sie sich an dem regen wissenschaftlichen Streben der arabischen Universitäten. Dass trotzdem das überlieferte Judentum die Kraft hatte, sich des Karäismus zu erwehren und dessen

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