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Jeschurun · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 63 (sequence 63)
Language
German
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Die jüdische Geschichte usw. 63 naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Anschauungen. Nicht nur Resultate der Forschungen werden uns geboten, sondern ihr Werden und Wachsen im Laufe von fast drei Jahrhunderten. Wiewohl ein wesentlicher Teil des Talmuds auf palästinensischem Boden entstand, so deckt sich im Yolksbewusstsein mit Recht der Begriff ״Talmud*־ mit dem des babylonischen. Von einer kurzen Spanne unter Rabbi Jochanan abgesehen, liegt in der ganzen talmudischen Periode das Schwergewicht des Geisteslebens in Babylonien. Das Genie der Redaktoren des Talmuds hat es verstanden, ihn bis zum heutigen Tage zur lebendigen Quelle der jüdischen Kultur zu machen. Namen wie Rab und Samuel, Abaje und Raba, Rabina und Rab Aschi sind uns nicht Erinnerungen aus alter Zeit, sondern durch die ständige Beschäftigung mit dem Forschen, Lehren dieser Männer werden sie auch in der Gegenwart wie Zeitgenossen empfunden. Das Talmudstudhim bildet den verbindenden Riegel aller Generationen der jüdischen Diaspora. Auch für die politischen Beziehungen der Juden zu den Völkern, in deren Mitte sie wohnen, gab der Talmud die Riehtschnür durch die bereits in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts durch Mar Samuel ausgesprochene Halacha: ״dina de malchuta dina*. Diese prinzipielle Anerkennung des Landesgesetzes für das Zivilrecht gab den in alle Welt Zerstreuten eine Rechtsbasis im bürgerlichen Zusammenleben mit der Bevolkerung ihrer Wohnländer. Nur heirdurch wurde es möglich, sich den jeweiligen Landesgeseizen anzupassen und sie — sofern sie irgend erträglich waren — ohne ständige Gewissens- Konflikte loyal zu erlallen. Das war ja auch das beste Mittel im Kampfe gegen gehässige Angriffe der nur zu zahlreichen Feinde. Nachdem einmal die Zerstreuung das Schicksal des jüdischen Volkes geworden war. musste es das Ziel seiner Führer sein, die Formen zu finden, in welchen es, ohne seine Eigenart als Volk Gttes aufzugeben. friedlich unter den Nationen leben und den neuen Aufgaben, die ihm hier als Künder des Gttesgedankens gestellt wurden, gerecht werden konnte. Die Grundlage hierfür haben die Weisen des Talmuds gegeben.

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