Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Fragment usw. 41 haben die tannaitischen Midrashim ebenfalls eine Spur dieser Bewegung festgebalten. Hat Moses nur das Zehnwort gelehrt* sonst aber nichts mehr? Woher wissen wir, dass alle Sätze der Lehre, ohne Ausnahmt. von Moses stammen?31) Diese ketzerische Lehre wird wieder mit dem Namen Korachs in Verbindung gebracht. Im Jelamden u32) wird der oben angeführte33) ketzerische Lehrsatz dahin modifizierte Gott hat uns das Zehnwort gegeben, weiter haben wir nichts gehört. Du, Moses, hast das übrige erfunden zu Deiner und Deines Bruders Ehre!״ Diese Anschauung der alten jüdischen Ketzer war von grosser Wichtigkeit für die Weiterbildung der christlichen Dogmatik. Sie wurde von den Häretikern gelehrt, verbreitet und diente später als willkommene Waffe in der Hand der Väter der Kirche in der Polemik gegen das Gesetz. Justin, Irenaus und andere bedienten sich derselben. Sie erhielt in der Kirche den Schein der Rechtgläubigkeit34), Im dritten Jahrhundert war es bereits vergessen, dass diese liturgische Umänderung oder Umschaltung die Folge der Wirren jüd. Ketzer gewesen sei. R. Samuel b. Nahmani klagt: ״Die Völker der Welt beraubten Israel der Zehngebote35), d. h. wegen der Agitation gegen das Gesetz können wir den Dekalog in die Gebetsordnung nicht einschalten. Diese Unterscheidung zwischen Decalog und Gesetz wird besonders in einer christlichen Schrift, genannt die Didascalia scharf und mit besonderem Nachdruck betont. Diese Schrift ist von ganz besonderer Wichtigkeit für die. Erforschung der geistigen Strömungen im Judentum des dritten Jahrhunderts. Der, oder die Verfasser, standen in enger Berührung mit der äussersten Linke der Judenheit, wie die all- 31) Sifre Deut § 2. Die Frage muss so aufgefasst werden: Woher wissen wir, dass Moses nicht nur den Decalog im Namen Gottes verkündete, sondern auch die übrigen Teile ihm von Gott übergehen würden? 82) e<L Grünhut, Nnm. 40 B. L 33j 8. Anm. 25. si Iren ins cont haer. IY, 16 4. 5. vgL Joel Blicke in die Religionsgeschichte I p. 42, Gnttmann M. G. W. J. 42, 295. *5) b. Ber. 12 B.