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Jeschurun · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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Fechner's Seelenlehre u3w. 33 durchaus annehmbares. Erinnern wir uns an die Erörterung, dass die Erde mit dem Tode eines Menschen an einer Stelle ihre Sinne schliesst, dass durch diesen festen Abschluss der Sinne das, was früher Anschauung war, zu einem Komplex lebendiger Erinnerungen im Erdgeist wird, dass die Summe dieser Erinnerungen, obwohl im Erdgeist und damit in Gott verankert, dennoch ihr Selbstbewusstsein bewahren, das ihnen in ihrer früheren Verbindung mit dem Leibe eigen war, nur dass dies Bewusstsein um ein Gewaltiges gesteigert erlebt wird. Denken wir uns, dass nun ein neuer Leib erwächst, so steht nichts im Wege, dass dieser Komplex von Erinnerungen wieder zu einem Teil ins Dunkel des Unbewussten hinabsinkt, in die Seele jenes neu entstehenden Wesens eingeht, zu einem Teil aber die Klarheit in der Fortdauer des individuellen Selbstbewusstseins bewahrt, so dass dieser Komplex, sagen wir statt dessen eben jene Seele, die schon einmal gelebt, vom Stand• punkt des Diesseits aus betrachtet von ihrem früheren Leben keine Erinnerung mehr hat, vom Standpunkt des Jenseits aber sich der ganzen Vergangenheit bewusst ist und mit dieser Vergangenheit belastet oder beglückt an allen Freuden und Lei• den des jetzigen Leibes bewussterweise Anteil nimmt. Das alles uud vieles andere liegt in der Linie der Aus- Strahlungen des Fechnerschen Systems. All das, was wir ausgeführt haben, sollen nur winzige Beispiele dafür sein, wie man die Ideen dieses anerkannten Philosophen und doch so gläubigen Menschen für unsere jüdisch-religiöse Weltanschauung fruchtbar machen kann. Wir sagten: ״dieses anerkannten Philosophen und doch so gläubigen Menschen“. Dies ״doch“ ist so traurig, aber es ist wahr. Denn selbst bei den Philosophen, die das Wort ״Gott“ ununterbrochen im Munde führen, findet man nicht jene Glut des Glaubens die überhaupt erst dem Glauben seinen Inhalt und seinen Wert gibt. Kein Wunder! Bei der Scholastik der Beweisführung, bei der extremen Spiritualisierung aller religiöser Vorstellungen verfliegt in Wahrheit jeder Geist. Von der Skylla jenes Rationalismus flüchtet sich eine neuere 3

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