Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Fochner’s Scelenlohre usw. 27 liehen Dogmen, das Mysterium des Abendmahls, die Lehre dass Christus in seiner Gemeinde fortlebt usf. mit seiner Seelenlehre in Einklang zu bringen. Wir sind in dieser Beziehung viel besser daran. Haben wir es ja bei uns in viel höherem Masse mit Lehren zu tun, die nicht so sehr der Vernunft widerstreiten als vielmehr — wie der technische Ausdruck lautet über vernünftig sind. Da gilt es, diese Lehren von ihrer Stellung über der Vernunft d. h. von ihrer U n vorstellbarkeit in das Reich des Vorstellbaren und Anschaulichen herabzuführen und dafür bietet die Seelenlehre Fechners u. E. eine gute Handhabe. Wir sind der Meinung, dass sie auch mit den Ansebauungen, die im Talmud und Midrasch über die Unsterblichkeit uns begegnen, wohl vereinbar sind. Darüber müssen wir freilich vorher einig sein, dass die Midraschim zumeist nicht wörtlich zu nehmen s*nd. Wer das Gehinnom als unbedingt im Raume befindlich anzunehmen sich gezwungen sieht, wird mit den Ideen Fechners nicht viel anfangen können. Doch darf darauf verwiesen werden, dass nach Erubin 19a das Gehinnom drei Eingänge hat, einen in der Wüste, einen anderen im Meere und einen dritten in Jerusalem, während in Tamid 32b neben der Meinung, dass das Gehinnom ״hinter den Bergen der Finsternis“ liegt die andere vertreten wird: es läge über dem Himmel. Warum sollten wir uns nicht dieser letzten Ansicht anschliessen dürfen und das über dem Himmel, das es nach unserem Kopernikanischen Weltsystem überhaupt nicht mehr gibt, im G e i s t e unserer jüdischen Religionsphilosophen, wenn auch nicht nach ihren Worten in die Sphäre verlegen, die hinter den Dingen liegt. Dürfen wir nicht das Feuer de» Gehinnom als die seelische Glut nehmen, von der die Geister der Sünder verzehrt werden, w׳enn sie sich beim Eintritt in das Jenseits als minderwertige Glieder des Alls erkennen, als die dunkelsten Triebe im unendlichen Geiste, wenn sie in den Seelen der Frommen die edlen Vorstellungen und vollendeten Willensakte als Teile des Göttlichen anerkennen müssen. Ist nicht mit einer solchen Auflassung ein Ausspruch wie